Räume für Träume

Räume für Träume

Was würdest Du eigentlich machen, wenn Du keine Miete mehr bezahlen müsstest?
Nein, ich meine nicht wenn Du mit 50 mal Dein spießiges Reihenhäuschen abbezahlt hast. Ich rede auch nicht davon, dass Du in einer dubiosen Burschenschaft von den Alten die Miete bezahlt bekommst.

Ich rede vom bedingungslosen Wohnen.

Denn schon viel zu viele Träume wurden begraben, weil man keine Antwort auf die Frage „Und wie willst du deine Miete bezahlen?“ fand. 2016 haben wir wirklich andere Fragen, die wir uns stellen müssen.

Bei mir und den meisten meiner Freunde sind 66% der Ausgaben Miete. Bei einem Arbeitstag von acht Stunden sind 5 Stunden und zwanzig Minuten allein für die Miete. Bei uns ist das bestimmt mehr als der Durchschnitt, aber klar ist: Miete beansprucht ganz schön viel Lebenszeit. Ich könnte mir sehr viele andere schöne Dinge vorstellen, die ich in 5h 20 Minuten machen könnte.

Nun war ich nie der Typ, der gerne meckert. Deshalb hier der Aktionsplan:

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So ungefähr könnte der camp.us aussehen.

Option 1: Beim Bauhaus-Projekt der Tinyhouse University  ab März 2017 teilnehmen. Die kleinste Bibliothek der Welt, die nur die 99 visionärsten Bücher unserer Zeit enthält, macht den Anfang. Ab dann wird für ein Jahr auf dem Gelände des Bauhaus Archiv direkt am Landwehrkanal das bauhauscamp.us einen Ort bieten, an dem sich  Studenten der Kiron University treffen oder wirklich coole Blogger wie Kiezpopcorn als Selbstversuch in einem Microhaus wohnen können. Und Dein Haus könnte hier aus stehen.

Wen das interessiert, der kann die Uni anschreiben oder jeden Montag zwischen 3 und 5 ins Tazpresso kommen, um mehr zu erfahren.

 

2. Option: Eine hauszeit nehmen!

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Räume für Träume

Wer eine mit einem Kredit Wohnung kauft, kann ganz entspannt die Miete den Kredit abbezahlen lassen. Das dauert je nach Lage und Investitionsbedarf zwischen 10 und 15 Jahren. Danach ist die Wohnung abbezahlt und frei. Und dann? Gibt sie Sicherheit. Wenn ich als Eigentümer krank werde oder mit einem Kind gesegnet werde, kann ich mit der Miete, die ich bekomme, sichergehen, dass für alles gesorgt ist.

Aber wenn es mir gut geht und ich für mich selbst sorgen kann? Vielleicht könnte diese Wohnung noch viel mehr sein als ein Zuhause: eine Auszeit vom Stress des Hamsterrads; ein Ort der bedingungslosen Existenz oder eine Grundfeste, um nach den Sternen zu greifen.

 

Das Ziel heißt Freiheit. Wege gibt es viele. Wichtig ist nur, dass wir loslaufen.
Joda

Die Evolutionen der Gedanken

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Hamilton´s Regel erklärt, warum es in einem System der gnadenlosen Konkurrenz, der Evolution, trotzdem Tiere gibt, die einander helfen. Und damit erfolgreicher sind. Sie erklärt sogar, warum „soziale Insekten„, wie Ameisen, Bienen und Wespen, sogar ihr eigenes Leben aufgeben, um ihre Schwestern zu schützen (ja, wirklich nur die Schwestern: Sorry, Guys!)

Das Geheimnis ist der Verwandtschaftsgrad, also der Anteil der übereinstimmenden genetischen Information.

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Keine Sorge, das wird kein Vortrag über Theoretische Biologie. Wie Ihr sicher wisst, bin ich der Begründer des Sozial-Lamarckismus und das ist seine Erweiterung.

Aber zurück zu den Bienen! Sie würden für ihre Schwester alles tun und das hat einen evolutionären Vorteil: Mit ihren Schwestern teilen sie nämlich dank einer besonderen Genstruktur 75% der Merkmale. Bei ihren Kindern wären es, wie alle wissen, die in Biologie damals aufgepasst haben, nur 50%.
Wenn die Biene also will, dass sich ihre Merkmale in der Welt verbreiten, dann macht es mehr Sinn der Schwester zu helfen oder sogar für sie das Leben zu lassen, als selbst Kinder zu bekommen.

Nun sind wir aber zum Glück an einem Punkt der Evolution gekommen, an dem sie sich selbst anfängt abzuschaffen: der Ära der Information. Es braucht nicht Millionen von Jahren bis sich die beste Art etwas zu tun durchsetzt. Wir können einfach miteinander reden. Und zwar im Jahr 2016 mit so ziemlich jeden Menschen der Welt.

Aus genetischer Auslese wurde die Evolution der Ideen.

Das ist sehr praktisch. Ich persönlich hätte keine Lust darauf zu warten, dass uns Flügel wachsen. Stattdessen gibt es Menschen, die ein Flugzeug erfunden haben und diese Information an den Rest der Menschheit weitergeben. Das spart uns diesen lästigen Kampf um das tägliche Überleben.

Aber was hat das jetzt mit Bienen zu tun? Wie Bienen ihre genetische Information weitertragen wollen, haben wir Ideen. Ideen, die uns begeistern. Ideen, die hinaus in die Welt müssen. Ideen, die unser aller Leben und Schicksal verändern könnten. Zum Glück sind wir meist mit diesen Ideen und Idealen nicht allein. Überall auf der Welt gibt es Menschen, die sie teilen und leben. Und wie die Bienen müssen wir uns vernetzen und Teams bauen, wenn wir wollen, dass diese Ideen weiterleben. Ich rede von Demokratie, Menschenrechten und Freiheit. Diese Ideen kennen kein Alter, keine Herkunft und keine Religion. Sie sind überall zu finden, in der Theorie und in der Praxis. Und wir müssen sie stärken!
Das ist die Idee hinter Tip me! Menschen, die demokratisch und ökologisch arbeiten durch ein globales Trinkgeld unterstützen. Die gibt es nämlich überall und sie sollten zusammenhalten.

Es gibt aber auch eine andere Sache, die wir aus der Evolution der Ideen lernen können. Es gibt auch ideellen Inzest: Menschen, die sich nur mit Menschen ihresgleichen umgeben, sich immer nur gegenseitig bejahen und gratulieren und nie den Schritt in die echte Welt wagen. Das ist nämlich genauso schädlich für ein Ideal, wie Gleichgesinnte zu ignorieren. Die Idee verliert sich in sich selbst, verformt sich und hat nichts mehr mit der Realität zu tun. Es kann erfrischend und aufregend sein, wenn sich Ideen paaren. Deshalb studiere ich „Nachhaltige Unternehmensführung“, das Kind von Ökologie und BWL.

Und mal sehen, was daraus wird, wenn es mal groß ist.

Stadt, Land, Flow- Es geht los!

Stadt, Land, Flow- Es geht los!

Wo liegt eigentlich das gute Leben? Wo liegt es für mich und die, Menschen die mir lieb sind? Große Fragen, die einem morgens um 5 beim Teigkneten durch den Kopf huschen. Denn von Tag zu Tag wuchs meine Liebe zur Kunst des Backens, dem unvergleichbaren Gefühl etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen und Menschen damit glücklich machen zu können. Einzigartig und erfüllend. Der Meister im Betrieb plante schonmal meine Zukunft für mich: Ich sollte Bäckerlehrling werden. Es gäbe keinen besseren Ort für mich als die Backstube. 100% überzeugt war ich aber nicht.
Es ist zwar ehrliche, aber auch sehr harte Arbeit. Das allein macht mir nichts aus. Besser als ein Leben lang nur 9 to 5. Aber nur am Ofen zu arbeiten, würde mich auf Dauer auch nicht ganz erfüllen.

Das Gefühl ließ mich aber nicht los, dass es doch etwas in der goldenen Mitte geben muss. Ein Leben im Ausgleich und Abwechslung, in der perfekten Balance zwischen Kopfarbeit und Handwerk, das Beste aus beiden Welten.

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Und weil es so etwas noch nicht gab, habe ich es einfach selber gemacht.
Schritt 1: Freunden davon erzählen. Die waren voller Euphorie, haben Ideen beigesteuert und wollten sofort selber mitmachen. Meine Freundin kam schließlich auf den Namen „Stadt, Land, Flow“ . Seit Jahren kannte ich schon Tandemploy und war dann einfach mal so frech. Schritt 2: Ich habe in einer kurzen E-mail die Idee vorgestellt. Ein paar Tage später wurde ich direkt ins Büro eingeladen. Denn in dem Unternehmen für flexible Arbeit, dass seine Werte selbst lebt, wissen alle Mitarbeiter wie wichtig es ist, Talente und Leidenschaften auszuleben. Viele machen Musik. Fast alle Tische im Büro sind vom Team selbst entworfen, geschreinert und lackiert. „Hälfte Akten, Hälfte Acker“ stieß da auf volles Verständnis und viel Unterstützung. Gerade helfen sie mir z.B. dabei einen eigene Seite zu erstellen, damit mehr Menschen neugierig werden auf diese neue Art des Arbeitens.

Es ist ein wunderbares Gefühl, solche Unterstützung zu erhalten. Es zeigt mir, wie viele Menschen es gibt, die die goldene Mitte suchen. Viele Menschen wie mich. Denn der Weg in eine neue Richtung macht immer am meisten Spaß, wenn man ihn zusammen geht!

Mehr dazu?
https://www.zweiteilen.de/stadt-land-flow/

Stadt, Land, Flow ist auch auf Facebook!
https://www.facebook.com/stadtlandflow/

Was ist links?

Was ist links?

„Mit linker Politik werden sehr unterschiedliche Umsetzungsversuche jener ideologischen Ansätze bezeichnet, welche die Aufhebung von Ungleichheit und als Unterdrückung begriffenen Sozialstrukturen, zugunsten der wirtschaftlich oder gesellschaftlich Benachteiligten, zum Ziel haben.“

Gut, aber googlen können wir alle. Was ist links im Jahre 2016? Ein Versuch aus allen Facetten der neuen politischen Kraft ein großes Mosaik zu basteln:

Wir sitzen am Küchentisch unserer Dachgeschosswohnung im Wedding und der Dampf tanzt über unseren Teetassen Ballet. Die Nachbarin aus dem Zweiten schreit ein Mal über den ganzen Hof: „Ich bin Deutsche!“ Sie geht nur aus dem Haus, wenn ihr Bier alle ist und ist definitiv nicht links.
„Sind wir links?“, frage ich, eigentlich eher mich selbst. Meine Freundin antwortet im gleichen Augenblick wie ich.
Sie: „Nein.“
Ich: „Ja.“
Wir schmunzeln.

Sie erklärt: Wir gehen arbeiten, wollen mit der DDR nichts zu tun haben und tragen nur Schwarz, wenn wir feiern gehen. Wir sind nicht links.

Sie hat Recht. Aber irgendwie sind wir ja doch anders. Wir trinken Leitungswasser oder Kaffee von Kooperativen. Wir fahren U-Bahn, wenn es sein muss, aber am liebsten Fahrrad. Wir retten Lebensmittel oder kaufen in der Food-Coop um die Ecke ein. Wir organisieren Tauschpartys, Umsonst-Konzerte, Hackathons und geben dem Obdachlosen vom Leopoldplatz immer wenn wir können einen Kaffee aus. Der Soundtrack zu unserem Leben ist „Hurra, die Welt geht unter“.

Aber einen Stein geworfen habe ich noch nie. Was sind wir denn jetzt?

Vielleicht heißt Links sein heute: In allen ein anderes Talent sehen und trotzdem den selben Wert.

Ja, das klingt nach uns. Weil wir nie jemanden auf einer Party fragen: „Wo kommst Du her und was machst Du so?“, sondern „Was macht Dich glücklich? Was sind Deine Träume und was ist der erste Schritt dorthin?“ Wir reden nicht darüber wie es ist, sondern wie es sein sollte und gehen in Trippelschritten in diese Richtung. Wie Knospen, die den Asphalt durchbrechen. Auf Demos sind wir jedes zweite Wochenende, aber ohne Fahnen zu schwenken oder zu verbrennen. Wir arbeiten an der Freiheit; nicht nur für weiße, heterosexuelle Männer; nicht ab zweieinhalbtausend im Monat ; sondern für alle, bedingungslos wie die Liebe zu unseren Freunden und das Grundeinkommen, das bald kommt. Wir, das sind Menschen, die Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit nicht als hippen Lifestyle verstehen, sondern aus tiefster Überzeugung heraus leben. Wir sind viele. Dieses „Wir“ heißt alle in unserer Generation willkommen, die es ernst meinen, aber sich nicht all zu ernst nehmen.

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Schritt für Schritt ins Paradies.

Wir stellen alles in Frage. Auch uns selbst. Und was wir lieben. Ihr müsst Euch schon ordentlich was einfallen lassen, um uns zu gewinnen. Wir checken Eure ganze, verdammte Produktionskette und analysieren Euer ganzes, verdammtes Geschäftsmodell bevor wir etwas kaufen, downloaden oder nutzen. Denn wenn wir schon im ewigen Wettkampf leben, dann darum, wer die glücklichsten Produkte macht. Jede unserer Facebook-Gruppen könnte das nächste Leipziger Forum sein… Schon blöd, dass wir ausgerechnet das asozialste Netzwerk weltweit nutzen. Und uns vor unseren schicken MacBooks über die Gesellschaft aufregen. Und überdurchschnittlich akademisch, weiß und männlich sind… Aber wir arbeiten dran.
Ihr wart klassen-, wir sind umweltbewusst. Nicht so nach-Costa-Rica-fahren-und-Schildkörten-streicheln-umweltbewusst, sondern im-Umsonstladen-was-finden-oder-halt-nackig-rumlaufen-umweltbewusst. Ihr wolltet nur die Produktionsmittel, wir alle Facetten der Gerechtigkeit.

Ihr aus der Rentnerlinken versteht uns nicht. Ihr sagt, wir nehmen keine Rücksicht auf die Armen. Dabei ist alles, was wir machen, ob Messen, Alben, Apps, Konzerte, und und und, ist immer kostenlos, genau wie Klamotten und Essen. Das Publikum ist bunter als der Karneval der Kulturen. Und trotzdem suchen wir jedes Mal einen Weg es zu erweitern. Uns interessiert es nicht, wie sich jemand nennt. Ob Links, muslimisch oder einfach Mensch. Diese Ettiketten sind aus Eurem Jahrtausend. Wir schauen darauf, was die Menschen wirklich machen. Diese Kritik zeigt wieder Eure Art zu denken: dass es den einen richtigen Weg gibt, den ein weiser, weißer Mann vor Jahrhunderten aufgeschrieben hat und von weisen, weißen Männer umgesetzt wird, dem alle folgen müssen. Das ist eine realitätsferne und antidemokratische Denkweise. Und mit der will heute zum Glück niemand mehr zu tun haben. Ihr hattet ´68 und ´89 Eure Chance den Lauf der Geschichte für immer zu verändern, habt aber nie den Schritt von der Theorie in die Praxis gewagt. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass die „working poor“ nichts mit linken Ideologien mehr anfangen kann. Weil für sie sich nie etwas verändert hat. Mit anderen Worten: Jetzt lasst mal die Jugend ran!
Ich glaube eigentlich stört es Euch, dass wir nicht in jedem Satz ein „Proletariat“ oder „Klassenkampf“ unterbringen. Und dass Eure obrigkeitshörige Art nicht funktioniert hat. Aber wir sind dezentral. Wir brauchen keine -ismen. Wir haben keine Partei, keinen Anführer, nur unser Herz als Kompass.

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Meine Texte und Bilder sind so frei wie unsere Gedanken. Alles public domain.

Links heißt heute auf nichts mehr zu warten. Nicht auf die Revolution, nicht darauf, dass Wahlkampfversprechen eingehalten werden. Wenn Ihr es nicht hinbekommt einen würdigen Lohn zu zahlen, dann gründen wir halt ein Startup und bezahlen uns selber. Wenn Euch nicht mehr einfällt, als eine Mietpreisbremse: Too bad. Wir sind mittlerweile im Miethäusersyndikat oder bauen uns ein Tiny House. Und wenn Ihr nervt, rollen wir einfach wo anders hin.

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Im „House of Rights“ von Van Bo Le-Mentzel können Menschen die Grundrechte lesen und debattieren.

Und wenn dann in 10 Jahren Euer Kapitalismus wieder ein Mal zusammenbricht, Eure Aktien nichts mehr wert sind, Eure Umsätze einbrechen; bekommen wir davon nur aus der Zeitung mit. Euren Luxus kann und will die Welt nicht mehr verkraften.

Aber unser Luxus heißt Freiheit. Und wir leben ihn schon heute.

Wir sind links. Wir sind frei. Wir sind Mensch. Wir sind die Zukunft.

Dieser Artikel entstand in Peer-to-Peer-Produktion von Jonathan Funke, Dario Uribe Pugner & dem Hürst.
Dieser Text war ein paar Tage lang passwortgeschützt, weil er ich ihn gern mit Freunden perfektionieren wollte. Ich schicke ihn nämlich an Zeit Campus für ihre Kategorie „Jung & links„. Deshalb freue ich mich auch über Rückmeldung von Euch!

Ich habe für Euch die „Mitte“-Studie gelesen

Wer hat schon Zeit und Lust sich durch eine 249 Seiten dicke Statistik über Nazis durchzuquälen: Na klar, Joda!
Wobei ich zugeben muss; alles habe ich nicht gelesen. Aber in der Schule habe ich gelert: Das machen noch nicht mal die Wissenschaftler.

Ich habe mich auf die Kapitel 3, 4 und 5 der Nachforschung unter dem Titel „Die enthemmte Mitte – Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland“ fokussiert, damit Ihr das nicht machen müsst. Könnt Ihr aber gern! Sie ist für eine Studie echt freundlich geschrieben. Ihr könnt sie zwar online finden, aber im Gespräch mit den HerausgeberInnen wurde mir gesagt, dass es toll wäre, wenn Ihr das Original kauft oder das bedingungslose Grundeinkommen einführt. Im Gegenzug verklagen sie mich nicht dafür, dass ich diesen Artikel schreibe. Die AutorInnen beschäftigen sich vor allem mit den neuen völkischen Bewegungen der letzten Jahre. Es wurden in einer Zusammenarbeit mit der Böll-, Luxemburg- und Brenner-Stiftung über 2.400 Personen zu ihren politischen Einstellung gefragt, zu ihrem Verhältniss zur Freiheit und ihrem persönlichen Hintergrund.

Was haben wir daraus Neues gelernt?
Eigentlich nicht viel. Wir haben jetzt nur schwarz auf weiß, was eigentlich irgendwie logisch ist.

„Der Grad der Zustimmung zu den Pegida-Zielen steigt mit dem Level an rechtsextre- men und islamfeindlichen Einstellungen. (…) Die Gewaltbereitschaft (auch gegen Fremde) und die Ablehnung von demokratischen Elementen (insbesondere der Aushandlung verschiedener Interessen durch mehrere Parteien) stehen in engem Zusammenhang mit der Befürwortung der Ziele von Pegida.“

Ob Fragen zu Juden, Muslimen, Schwulen, Frauen, Gewaltbereitschaft oder Demokratie: Pegida- und AfD-Fans haben in allen Bereichen die häufigsten gestrigen Einstellungen und haben keine Scheu vor Gewalt. (AfD 47,4% gewaltbereit)

Auf der Gegenseite stehen vor allem Grüne, Linke, FDP und die Piraten. Die Einstellungen klaffen extrem auseinander.
46,5% der AfD-Wähler sind Chauvinisten, selbst bei der CDU sind es nur 15%. 18,1% der Patrioten, also fast jeder 5., wünschen sich eine Diktatur.

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Nur 11% der AfD-WählerInnen bekennen sich zur Demokratie, wie sie „tatsächlich funktioniert“ (selbst bei Nicht-Wählern sind es 39% Nichtwähler, 70,2% CDU). Fast 9 aus 10 lehnen also unsere Demokratie ab.
Auch Arbeitslose neigen eher zur Verharmlosung des dritten Reichs, Ausländerfeindlichkeit und Chauvinismus.
Bei Pegida ist das so: Der durchschnittliche „patriotische Europäer“ unterscheidet sich kaum vom Durschnittsbürger. Faktoren wie Einkommen, Herkunft (Ost/West, Stadt/Land) oder Alter, Geschlecht spielen statistisch kaum eine Rolle. Das Gefühl politisch und gesellschaftlich nicht gehört zu werden, ist auch nicht größer als im Rest der Gesellschaft.

Die AutorInnen stellen klar: Pegida-BefürworterInnen unterscheidet nur eins vom Rest der Gesellschaft. Sie sind rassistischer, ungebildeter, antidemokratischer und gewaltbereiter als alle anderen; und zwar bei weitem. Die Nationalisten werden deshalb als „demokratiegefährdend eingeschätzt“.

Es sind zum Glück aber nur 9%, die komplett hinter ihren Zielen stehen.
Dagegen stellt sich eine gute Hälfte der Bevölkerung, die dieses völkische Denken ablehnt (35,3% stimmen den Zielen von Pegida „überhaupt nicht“ zu, 14,5% „nicht“). Das ist ja schon mal was!
Ganze 45,3% stehen zwischen den Polen.
Fragt sich also, warum diese 9% so große Aufmerksamkeit bekommen. Deswegen fordert die taz dieser kleinen Minderheit nicht mehr „hinterherzurennen“, sondern klar zu machen, dass die meisten Menschen dieses Landes demokratisch und offen sind. Die Aufgabe der nächsten Jahr ist also der unentschlossenen Mitte die Liebe für die Werte der Verfassung neu zu entfachen.
https://www.facebook.com/funkhauseuropa/photos/a.116447445090797.17531.106705622731646/1064313116970887/?type=3&theater

 

Erschreckend ist für mich vor allem die sprunghaft angestiegene Homophobie im Land:Bildschirmfoto 2016-06-15 um 22.04.34.png

Es ist allerdings schön zu sehen, dass sich die Minderheiten im Land nicht spalten lassen. Nach dem menschenverachtenden Massaker in Orlando gab es von der LGBT-Community nicht nur Solidaritätsbekundungen mit den homosexuellen Opfern, sondern auch klare Statements, dass diese Taten absolut unislamisch sind und dem Willen Mohammeds entgegenstehen.

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Was ist also unser Fazit?

In Deutschland hat sich die Anzahl der Menschenfeinde verringert. Diese sind dafür aber deutlich radikaler geworden und schrecken vor Gewalt nicht mehr zurück. Die sind leider nicht mehr zu retten.
Wenn aber ca. 45% der Bevölkerung noch unendschieden ist, und 50% klar wissen, dass Pegida brauner Schnee von gestern ist, dann ist die Lösung ja ganz einfach:

Jeder von uns rot-grün versifften Gutmenschen, aka. der demokratischen Mehrheit, nimmt einfach eine*n Unendschiedene*n unter die Fittiche und bringt sie in die richtige Richtung. Nicht mit Standpauken oder Lehrvorträgen. Es hilft viel mehr mal zu einem Begegnungscafé zu gehen und diese unbekannten, bedrohlichen Menschen kennenzulernen. Oder den „Medicus“ zu gucken, der zeigt, was für ein einzigartiges Zentrum für Wissenschaft und Toleranz der Islam einst war und wieder werden kann.

250 Seiten sagen also: Finde einen Menschen und zeige ihm/ihr die netten Menschen dieser Welt. Klingt doch ganz gut!

 

Stadt, Land, Flow – Hälfte Akten, Hälfte Acker

Stellt Euch vor, wir Menschen würden nicht mehr arbeiten, weil wir es müssen. Stellt Euch vor, unser Lohn würde nicht mehr von unserer Arbeit abhängen. Stellt Euch vor, wir würden arbeiten, weil wir es wirklich wollen.

Ich würde gerne einen kleinen Schritt in diese Welt gehen. Mit Euch zusammen macht das bestimmt mehr Spaß!

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Für das Projekt „Stadt, Land, Flow“ habe ich mir Unterstützung von Tandemploy geholt. Die helfen Menschen dabei, sich einen Büro-Job zu teilen. Zwei Personen können dann mit jeweils ca. 20 Stunden Arbeit in der Woche ihre Grundbedürfnisse abdecken. Danach haben sie Zeit für Sinnvolles.

Sinnvoll wäre es zum Beispiel auf einem Bauernhof zu helfen, der Essen so produziert, wie wir es uns vorstellen: ökologisch, natürlich und sozial. Und davon gibt es ziemlich viele! Unsere Partner sind die stolze Kuh, die wilde Gärnterei aus Berlin, das Netzwerk für Solidarische Landwirtschaft und World Wide Opportunities on Organic Farms, auch als Wwoof bekannt. 

Sinnreich wäre auch Handwerke mit mehreren tausend Jahren Tradition zu erlernen und damit neues Leben einzuhauchen. Ob in der Backstube, an der Werkbank oder der Rösterei; es gibt nichts, wie das Gefühl, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen.

Sinnstiftend wäre es Wälder und Parks zu pflegen und die Jugend für sie zu begeistern.

Sinnvoll wäre es, im Leben einen Sinn zu haben. Etwas, wofür es sich lohnt aufzustehen. Für Menschen wie mich, ist das nicht nur Büro und nicht nur Handwerk. Es ist eine gesunde Balance von grau und grün, zwischenmit Hirn und Hand; der goldene Mittelweg.
Es ist Stadt, Land, Flow.