Tanzende Architekten – Playlist für den Frühling

Tanzende Architekten – Playlist für den Frühling

Lang nichts gehört. Irgendwie hatte ich einfach keine Lust. Über Politik zu schreiben, macht keinen Spaß, wenn sich alle immer so furchtbar ernst nehmen.*

Deshalb hier einfach mal meine Playlist, die mir in den letzten Monaten mein Leben versüßt hat. Über die Klangstruktur der Symphonien und die lyrischen Kompositionen der Meisterwerke werde ich allerdings nichts schreiben. Denn Frank Zappa wusste:

Über Musik zu sprechen ist wie zu Architektur zu tanzen.

Musik Pro-Tipp: 20 Min. Zeit nehmen, Kopfhörer auf, Augen zu, zurücklehnen und die Welt vergessen. Die Noten in sich aufsaugen, wie Tinte auf einem unbeschriebenen Blatt.
Geniale Zusammenarbeit aus Pune, Indien:
Slybounce von Sandunes & Nicholson

Der Track meines Jahres:
Coffee von Sylvan Esso

Eine Reise:
Halfway to Nowhere von Chelou 

So wunderschön klingt die Seele eines Häftlings:
I Will Never Stop Grieving For You, My Wife aus dem Zomba Prison Project 

Glass Animals, aber irgendwie anders:
Be Yr Man von Hand Habits 

Gestern erst entdeckt:
Marinade von DOPE LEMON
https://www.youtube.com/watch?v=9ju-Qj8xFQk

Alles ist politisch. Auch sich einfach mal entspannen.

 

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In drei einfachen Schritten aus dem Kapitalismus

Es gibt ein richtiges Leben im Falschen?“ Warum ich glaube, dass wir  schon heute in Freiheit leben können.

Du findest es sollte eine Schule geben, in der Kinder ohne Leistungsdruck und Ellenbogen gemeinsam lernen können?
„Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet.“ Artikel 7, Absatz 4, deutsches Grundgesetz

Du findest Wasser oder die Bäckerei sollte keiner einzelnen Person gehören?
„Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden.“ Artikel 15, deutsches Grundgesetz

Du findest, die Art wie wir leben stressig und nicht besonders erfüllen?
Ich sage, lass uns daran gemeinsam etwas ändern. Meckern kann ja jede*r! Das ist einfacher, als Du vielleicht erstmal denkst.
Hier meine drei einfachen Schritte zur Überwindung des Kapitalismus:

1. Neue Werte

Geld macht uns nicht glücklich. Zumindest wenn ein gewisses Minimum erreicht ist, wie der Nobelpreisträger und Ökonom Angus Deaton erklärt. Ab ca. 61.000€ im Jahr fühlen wir uns sicher und andere Dinge werden für uns wichtiger.
Konsum macht uns nicht glücklich. Eine Designer-Küche bringt wenig, wenn wir in einer 40-Stundenwoche feststecken und wir grade mal Zeit für eine Tiefkühl-Pizza und einen Coffee To Go haben.

Alles, was dieses System zu bieten hat, erfüllt uns auf lange Sicht nicht. Wir leben in einem goldenen Käfig. Dabei sind Vögel auf einem Ast am glücklichsten.

Es ist kein Zufall, dass Dänemark seit den „immer ganz vorne an der Spitze, wenn es in statistischen Ländervergleichen um die Suche nach den glücklichsten Einwohnern“ steht, wie Marie Krutmann in Editionf erklärt: weniger Zeit im Büro; höhere Steuern, die ermöglichen, dass sich alle auf den Straßen sicher wissen und, nicht zu letzt, viel Zeit mit Menschen, die man liebt. Das ist das Hygge-Phänomen, dass grade als die Glücksformel schlechthin gilt.

2. Freiräume

Keine Lust mehr auf das Hamsterrad? Dann überleg´ Dir doch mal, erstmal nur noch 20 Stunden die Woche zu arbeiten. Zum Beispiel durch Jobsharing oder einfach so, wenn Dein*e Chef*in cool ist.
Oder Du suchst Dir einen Betrieb ganz ohne Chef*in aus. Da gibt es auch eine kleinere Auswahl.
Das können sich natürlich nicht alle leisten. Aber auch dafür habe ich Euch ein paar Ideen zusammengestellt:
Melde Dich am besten jetzt gleich bei mein-grundeinkommen.de. Die schenken Dir für ein Jahr 1.000€ im Monat, damit Du machen kannst, was Dir wichtig ist. Bei der Verlosung haben alle die gleiche Chance zu gewinnen. Bedingunslos eben.

Es gibt auch eine Handvoll Wege, wie Du mit weniger Geld mehr Spaß am Leben hast.

Schon mal überlegt, Dein WLAN mit Deinen Nachbarn zu teilen? Schon mal überlegt, Essen zu retten, was nicht mehr verkauft werden darf?
Oder am besten keine Miete mehr zu zahlen!

Ein einfacher Van kann ziemlich günstig zu einem bequemen Wohnzimmer werden.

Oder Du baust Dir Dein eigenes Tiny House. In Berlin ist Van Bo Le-Mentzel Dein Ansprechpartner. Er hat zusammen mit dem Bauhausmuseum Baupläne entwickelt, wie Du Dir für ca. 5000 Euro ein komplettes Haus, samt Dusche, Küche, Bad und Holzofen selbst bauen kannst. Das Ganze ist dann am Ende ca. 8 Quadratmeter groß und steht auf einem Auto-Anhänger.

Bis auf das fahrende Wohnzimmer sieht so ungefähr mein Alltag aus:
Ich arbeite in einem Bio-Backkollektiv ohne Chef, rette Essen oder bekomme es als Solawi-Kiste direkt von der Bäuerin. Das Einzige wofür ich derzeit Geld ausgebe, ist Miete und ab und zu mit meiner Freundin einen Kaffee trinken gehen. Und ich muss sagen: es fühlt sich verdammt gut an. Denn jeder Euro, den ich nicht ausgebe, sind ein paar weitere freie Minuten für mich. In den ich entspannen kann. Oder etwas machen, was mich erfüllt. Oder in denen ich versuche, die Welt ein bisschen zu verschönern. Und ich war noch nie so glücklich in meinem Leben.
Die ersten Baupläne für ein Tiny House stehen übrigens auch schon.

Was mir allerdings noch fehlt ist:

3. Vernetzung

Friederike Habermann nennt sie die „Halbinsel gegen den Strom„. Eine kleine Oase, auf der die Regeln der restlichen Welt nicht so ganz greifen. In der geteilt und geträumt wird. Weltweit verstreute Nischen, in denen Dinge wie Boden und Wasser der Allgemeinheit gehören. Eine Welt der Stadtgärten und Schenkparties, die funktioniert wie Wikipedia und nicht wie Facebook. Eine Welt, die wir uns machen, wiedewiedewie sie uns gefällt.
Es gibt diese Welt schon. Sie ist klein und versteckt, aber wenn man danach sucht, findet man sie an den verwunschensten Ecken. Und es ist wichtig, dass mehr Menschen sie entdecken und zu lieben lernen. Dass die tausenden Grashalme, die den Asphalt durchbrechen, ein bisschen Hoffnung auf eine bessere Welt verbreiten. Wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit durch die U-Bahn gucke, glaube ich, wir haben ein bisschen Hoffnung bitter nötig.

Ich bin felsenfest davon überzeugt: Wenn wir uns ein bisschen Freiheit schaufeln und sie auch nutzen, um zu tun, was uns erfüllt und was die Welt braucht, dann ist das vielleicht nicht das Richtige. Aber zumindest ein Weg dahin.

Stadt, Land, Flow – Meine Reise

Hey Ihr lieben Menschen,

ich wollte nur, dass Ihr wisst, dass ich nicht nicht schreibe, sondern nur mehr verteilt. Und alles, was mir gut gefällt, trage ich hier für Euch zusammen:

Stadt, Land, Flow – Meine Reise

Mein Praktikum bei Tandemploy

Mein Praktikum bei Tandemploy

Tandemploy hat den Algorithmus, um den perfekten Partner zu finden. Nicht in der Liebe, sondern im Job.
Stell Dir vor, Du könntest Dir Deinen Arbeitsplatz mit jemandem teilen. Was würdst Du mit der gewonnen Zeit machen? Ich sage: Backen und habe in meinem dreimonatigen Praktikum Stadt, Land, Flow gegründet. Das Praktikum ist jetzt vorbei. Warum ich jetzt immer noch bei ihnen vorbeikomme, erzähle ich Euch hier.

Dass die Chefin Dir als Besucher*in einen Kaffee macht, ist nicht normal. Vor allem nicht als Praktikant. Bei Tandemploy ist das für mich Alltag. Hier läuft einiges anders. Im Vertrag im Vertrag unter § 2 Arbeitszeit ist vereinbart:

„Die regelmäßige Arbeitszeit kann vom Praktikanten frei gewählt werden, darf jedoch höchsten 40 Stunden die Woche betragen (…)“

Einen unbezahlten Praktikumsplatz hier zu bekommen war wirklich nicht leicht. Denn die beiden Gründerinnen haben sich geschworen, nie jemanden so auszubeuten. Aber nach ernsthafter Überzeugungsarbeit meinerseits haben wir einen Kompromiss gefunden. Ich  durfte ins Büro kommen; aber allein unter einer streng einzuhaltenden Bedingung: dass ich nur mache, was mir persönlich nutzt und Spaß macht. Ich durfte kommen und gehen, wann ich wollte. Anstatt für sie die Drecksarbeit zu machen, haben sie mich unterstütz; und zwar in allen meinen Vorhaben. Beim Design geholfen, Pitches abgefeilt, mich auf ihrem Blog mit mehreren tausend LeserInnen vorgestellt und mir Kunstwerke auf Kaffeebasis gebracht.
In den ganzen drei Monaten, in dem ich beim Jobsharing-Unternehmen war, hab ich niemanden aus dem Team nicht ein Mal auch nur annähernd schlecht gelaunt erlebt. Das macht fast schon Angst! Gründe für Stress gäbe es dabei mehr als genug: nach und nach zeigen täglich mehr von „den ganz Großen“ Interesse. Es regnet Preise. Ihre Artikel erscheinen auf zweiteilen und in der Zeit, Utopia und den wichtigsten Blättern der Szene. Das Team wird laufend zu Konferenzen und Seminaren im ganzen Land eingeladen und denkt darüber nach, ins Ausland zu expandieren. Aber wo andere an den Rande des Burn-Outs stehen, wirkt ein Tag im Büro von Tandemploy eher wie eine entspannte Hipster-WG: guter Kaffee, aber noch bessere Laune.

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Nach Wochen voller Grübeleien, warum zum Teufel hier alle so happy sind, habe ich nur eine sehr simple Antwort gefunden: es ist einfach das Gefühl, als Mensch voll und ganz akzeptiert zu werden, dass hier allen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Alle werden hier willkommen geheißen; nicht trotz ihrer Ecken und Kanten, sondern genau deswegen. Und nein: Diesen schmalzigen Satz habe ich nicht aus ihrem Werbekatalog abgeschrieben, sondern er stimmt einfach.
Natürlich kommt das auch nicht von allein. Anna und Jana achten mehr darauf, dass Neue eher vom Charakter her in Team passen, als vom Lebenslauf. Denn was man nicht weiß, kann man noch lernen; aber der Charakter bleibt.
Außerdem werden Rituale gepflegt, die aus vielen sympathischen Menschen ein fast schon übermotiviertes Team schieden: jeden Mittwoch erzählen alle ihre schönsten Momente der Woche, ob von der Arbeit oder zuhause. Erfolgserlebnisse werden feierlich in einen Schuhkarton gepackt, der einen an schlechten Tagen daran erinnert, dass ja doch eigentlich alles O.K ist. Was aber Tandemploy vor allem besonders macht, ist, dass „Wie geht es Dir?“ keine bloße Floskel ist.
Letztendlich leben sie einfach, was sie versprechen: Hier arbeiten alle in „Teilzeit“ oder im Tandem; also weniger, aber fokussierter. Menschen sind bei einer Arbeitszeit von ca. 32h die Woche am produktivsten. Und Menschen wollen produktiv sein. Dadurch haben die Mitarbeiter etwas, was in konventionellen Unternehmen fehlt: Den Motivationsschub mit jeder Stunde im Büro auch wirklich etwas zu erreichen.

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Natürlich ist nicht alles perfekt. Wie die meisten Start-ups hat Tandemploy fremdes Geld angenommen. Deshalb müssen sie immer ihren Investoren gute Zahlen präsentieren und haben Kunden, die nicht wirklich dazu passen, dass es im Büro Öko-Strom und Bio-Obst gibt.
In meiner Zeit bei Tandemploy habe ich wirklich viel gelernt: Wie man eine eigene Website aufsetzt, wie man einen richtig guten Latte Macchiato macht. Aber vor allem, dass Spaß haben und etwas erreichen am besten zusammen geht.

Ich glaube durch dieses Praktikum bin ich mein Leben lang verwöhnt. Ich komme in andere Büros und bin geschockt, dass nicht alle lächeln.

Momentaufnahme: Jana ist müde. Das würde sie nie sagen, aber man sieht es ihr an. Ist ja auch kein Wunder: Diese Woche musste sie zwischen Geschäftsführung und Gesprächen mit verschiedensten Global Playern quer durchs Land fahren, um Vorträge über das neue Arbeiten zu halten. Und sie wäre nicht Jana, wenn die Chefin mit der Mitgründerin Anna nach Feierabend noch den Boden ölen würde. Ohne jemandem Bescheid zu geben, damit sich niemand gezwungen fühlt.

Wenn ich irgendwann mal Chef sein muss, dann wie die Beiden.

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Mein Z2X

Mein Z2X

Obwohl es gestern wieder spät wurde, schlurfen wir am Sonntag morgen um neun Uhr noch was schon wieder Richtung Radialsystem. Die anderen Beiden sind auch vom Z2X- dem Festival der neuen Visionäre, wie sie stolz der Welt mitteilen, indem sie ihre Namensschildchen mit dem schicken Logo schon in der Bahn umhängt haben. Wir schweigen, sehen uns nicht an und nehmen stumm den Parkour über die Partytrümmer von gestern.
Aber nur bis zur Türschwelle des Geländes: Auf ein Mal scheint es O.K. und plötzlich haben wir ein philosophisches Gespräch über kleine Schritte in eine bessere Welt. Für mich Z2X in einem Bild.

Der Kongress am wunderschönen Ufer der Spree war eine kleine Insel auf der es einfach O.K. war zu lächeln, sich an den Tisch zu völlig Fremden zu setzen und sofort los zu diskutieren; über gute Ideen für ein gutes Leben. Ein Mikrokosmos in dem die sonst so isolierten Ideen der 20-29 Jährigen endlich in einer Riesenorgie der Visionen verschmelzen konnten. An dem sich weiße Akademikerkinder darüber aufregen konnten, dass mal wieder nur weiße Akademikerkinder da waren. Zwischen spritzigen Blitzvorträgen über die Schönheit des Aufgebens und Ausschlafens, intensiven und inspirierenden Workshops und Essen von maßlos überteuerten Foodtrucks wurden Pläne, Projekte und Freundschaften geschmiedet.

Es gibt ein paar Menschen, die immer dort sind, wo sich etwas tut. Beim Z2X waren sie alle: Tobi und Pia von livingutopia, Christopher vom Hemispheres Comic und Maheba von Mein-Grundeinkommen.de. Nicht nur wegen dem gleißenden Sonnenschein, dem ruhigen Wasser und den 500 Menschen, die alle etwas aufregendes zu erzählen hatten, war die Stimmung etwas besonderes. Erschöpft aber glücklich kam Nele Fritzsche am letzten Abend zu unserem Tisch in der Abendsonne. Die fruchtbare Atmosphäre habe sich das Team ganz schön ins Zeug gelegt. Alle 3.000 Bewerbungen wurden von der Jury einzeln ausgewertet und handverlesen, so die Organisatorin und Teil von KAOS berlin. Dabei war wichtig, dass die BewerberInnen sich Zeit nehmen, Fragen wie „Was ist deine Vision für eine bessere Welt?“ und „Was schaust Du lieber: Germany´s next Top Modell oder Game of Thrones?“ ehrlich und überlegt zu beantworten. Dem Team der Konferenz ging es darum, eine Bühne für Träumer zu schaffen, die anpacken. Versteckte Agenturen wurden gezielt rausgefischt, um einen Ort für junge Menschen freizuschaufeln, die grade in ihren Startlöchern stehen, um aus ihren Utopien Realität zu machen.

Die Auswahl war wirklich hart für uns. Wir wollen am liebsten alle mit aufnehmen!
Nele Fritzsche

Das wir mit tip me am Ende noch auf die Bühne geholt wurden, war extrem schmeichelnd für uns. Nach dem Auftritt kamen direkt Menschen von Startnext auf uns zu, Andere wollen uns jetzt eine Website bauen und ein angehender Master-Filmemacher macht vielleicht ein Pitch-Video mit uns.

Das ist, was TräumerInnen in unserem Alter brauchen: Gleichgesinnte und Verbündete. Sonst kriegt man auf die Dauer schlechte Laune. Deswegen war es Balsam für meine Seele,  zu hören, dass es die Z2X nächstes nochmal geben wird.

Ich freue mich drauf!

Alle Fotos sind von der Z2X-Seite geklaut. Unser Pate Sebastian Horn von ze.tt meine das wäre ok.