Tandemploy hat den Algorithmus, um den perfekten Partner zu finden. Nicht in der Liebe, sondern im Job.
Stell Dir vor, Du könntest Dir Deinen Arbeitsplatz mit jemandem teilen. Was würdst Du mit der gewonnen Zeit machen? Ich sage: Backen und habe in meinem dreimonatigen Praktikum Stadt, Land, Flow gegründet. Das Praktikum ist jetzt vorbei. Warum ich jetzt immer noch bei ihnen vorbeikomme, erzähle ich Euch hier.

Dass die Chefin Dir als Besucher*in einen Kaffee macht, ist nicht normal. Vor allem nicht als Praktikant. Bei Tandemploy ist das für mich Alltag. Hier läuft einiges anders. Im Vertrag im Vertrag unter § 2 Arbeitszeit ist vereinbart:

„Die regelmäßige Arbeitszeit kann vom Praktikanten frei gewählt werden, darf jedoch höchsten 40 Stunden die Woche betragen (…)“

Einen unbezahlten Praktikumsplatz hier zu bekommen war wirklich nicht leicht. Denn die beiden Gründerinnen haben sich geschworen, nie jemanden so auszubeuten. Aber nach ernsthafter Überzeugungsarbeit meinerseits haben wir einen Kompromiss gefunden. Ich  durfte ins Büro kommen; aber allein unter einer streng einzuhaltenden Bedingung: dass ich nur mache, was mir persönlich nutzt und Spaß macht. Ich durfte kommen und gehen, wann ich wollte. Anstatt für sie die Drecksarbeit zu machen, haben sie mich unterstütz; und zwar in allen meinen Vorhaben. Beim Design geholfen, Pitches abgefeilt, mich auf ihrem Blog mit mehreren tausend LeserInnen vorgestellt und mir Kunstwerke auf Kaffeebasis gebracht.
In den ganzen drei Monaten, in dem ich beim Jobsharing-Unternehmen war, hab ich niemanden aus dem Team nicht ein Mal auch nur annähernd schlecht gelaunt erlebt. Das macht fast schon Angst! Gründe für Stress gäbe es dabei mehr als genug: nach und nach zeigen täglich mehr von „den ganz Großen“ Interesse. Es regnet Preise. Ihre Artikel erscheinen auf zweiteilen und in der Zeit, Utopia und den wichtigsten Blättern der Szene. Das Team wird laufend zu Konferenzen und Seminaren im ganzen Land eingeladen und denkt darüber nach, ins Ausland zu expandieren. Aber wo andere an den Rande des Burn-Outs stehen, wirkt ein Tag im Büro von Tandemploy eher wie eine entspannte Hipster-WG: guter Kaffee, aber noch bessere Laune.

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Nach Wochen voller Grübeleien, warum zum Teufel hier alle so happy sind, habe ich nur eine sehr simple Antwort gefunden: es ist einfach das Gefühl, als Mensch voll und ganz akzeptiert zu werden, dass hier allen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Alle werden hier willkommen geheißen; nicht trotz ihrer Ecken und Kanten, sondern genau deswegen. Und nein: Diesen schmalzigen Satz habe ich nicht aus ihrem Werbekatalog abgeschrieben, sondern er stimmt einfach.
Natürlich kommt das auch nicht von allein. Anna und Jana achten mehr darauf, dass Neue eher vom Charakter her in Team passen, als vom Lebenslauf. Denn was man nicht weiß, kann man noch lernen; aber der Charakter bleibt.
Außerdem werden Rituale gepflegt, die aus vielen sympathischen Menschen ein fast schon übermotiviertes Team schieden: jeden Mittwoch erzählen alle ihre schönsten Momente der Woche, ob von der Arbeit oder zuhause. Erfolgserlebnisse werden feierlich in einen Schuhkarton gepackt, der einen an schlechten Tagen daran erinnert, dass ja doch eigentlich alles O.K ist. Was aber Tandemploy vor allem besonders macht, ist, dass „Wie geht es Dir?“ keine bloße Floskel ist.
Letztendlich leben sie einfach, was sie versprechen: Hier arbeiten alle in „Teilzeit“ oder im Tandem; also weniger, aber fokussierter. Menschen sind bei einer Arbeitszeit von ca. 32h die Woche am produktivsten. Und Menschen wollen produktiv sein. Dadurch haben die Mitarbeiter etwas, was in konventionellen Unternehmen fehlt: Den Motivationsschub mit jeder Stunde im Büro auch wirklich etwas zu erreichen.

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Natürlich ist nicht alles perfekt. Wie die meisten Start-ups hat Tandemploy fremdes Geld angenommen. Deshalb müssen sie immer ihren Investoren gute Zahlen präsentieren und haben Kunden, die nicht wirklich dazu passen, dass es im Büro Öko-Strom und Bio-Obst gibt.
In meiner Zeit bei Tandemploy habe ich wirklich viel gelernt: Wie man eine eigene Website aufsetzt, wie man einen richtig guten Latte Macchiato macht. Aber vor allem, dass Spaß haben und etwas erreichen am besten zusammen geht.

Ich glaube durch dieses Praktikum bin ich mein Leben lang verwöhnt. Ich komme in andere Büros und bin geschockt, dass nicht alle lächeln.

Momentaufnahme: Jana ist müde. Das würde sie nie sagen, aber man sieht es ihr an. Ist ja auch kein Wunder: Diese Woche musste sie zwischen Geschäftsführung und Gesprächen mit verschiedensten Global Playern quer durchs Land fahren, um Vorträge über das neue Arbeiten zu halten. Und sie wäre nicht Jana, wenn die Chefin mit der Mitgründerin Anna nach Feierabend noch den Boden ölen würde. Ohne jemandem Bescheid zu geben, damit sich niemand gezwungen fühlt.

Wenn ich irgendwann mal Chef sein muss, dann wie die Beiden.

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2 Gedanken zu “Mein Praktikum bei Tandemploy

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