Die erste Tincon EVER!!!!!1!

TINCON - Tag 3

*Tränen kullern ihr über die Wangen*
„Das ist mir noch nie passiert.
Nicht mal bei meiner eigenen Hochzeit!“
Tanja Heusler

TINCON - Tag 3

Die Tincon war keine jugendliche Internetmesse. Es war ein Familienfest.
Zwischen virtueller Realität, tanzenden Robotern und the one and only Ralph Caspers von „Wissen macht Ah!“ ging es vor allem um ein Thema:
um analoge Liebe gegen den digitalen Hass!
Das ist mein Rückblick; mit vielen bunten Bildern.

TINCON - Tag 2
TINCON - Tag 2

TINCON - Tag 1

An einem Wochenende kamen über 1.000 Menschen zwischen 13-21 Jahren zusammen um Hatern, Shitstorms und Evil Memes etwas entgegenzusetzen. Ganz nach dem Motto: „Augen auf statt Aluhut„.

Denn das Internet lassen wir uns nicht sang- und klanglos von den hasszerfressenen Alten wegnehmen! Wir werden kämpfen; und zwar mit Einhörnern, GIFs und unglaublicher Offline-Unterstützung.
TINCON - Tag 3

Dieses Wurfmikrofon ist die wohl genialste Möglichkeit für
flauschige Mitsprache!

TINCON - Tag 3
Es war Platz für unglaubliche Geschichten; von Raúl Krauthausen oder Cemantine Wamariya, aber auch aus dem Publikum.
TINCON - Tag 3

Die Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich locker und kompetent. Leider hat sie ein bisschen zu oft „Kids“ gesagt, um 100% authentisch zu wirken. Aber es war sehr schön zu sehen, dass wenigstens ein paar „da oben“ Ahnung haben.
TINCON - Tag 1

Unseren Teil haben wir mit der „Charta der digitalen Menschenrechte“ aka. Menschenrechte 2.0 getan. Darin fordern wir nicht nur das bedingungslose Grundeinkommen und die Einhaltung des Briefgeheimnisses durch Staat und Konzerne(Art. 10 des Grundgesetzes), sondern auch ein Recht offline zu sein; vor allem offline zu bezahlen.

TINCON - Tag 3

Wir haben uns viele wichtige Fragen gestellt:

Welche Risiken birgt das Internet? Das waren meist Menschen Mitte 50, die glaubten der Jugend mal beibringen zu müssen, wie sie „dieses Internet“ richtig benutzen. Vielleicht setzen sich die Alten nächstes Mal lieber ins Publikum.

Wie beeinflussen uns die Suchergebnisse von Google, Facebook und Co. nicht nur unser Konsum-, sondern auch unser Wahlverhalten und unsere Gefühle? (Lies mal etwas über Filterbubbles. Die Artikel sind es wert!)

Wie sollte das Internet von morgen aussehen?
Das war uns allen klar: Ein bisschen mehr Liebe kann es gebrauchen. Und dafür sorgen wir alle gemeinsam.
TINCON - Tag 3
Hier nochmal die besten Talks für Latebirds.

Ach! Und ein bisschen Musik habe ich auch gemacht.
https://www.facebook.com/chispa.music/

 

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Grundeinkommen gegen Rechts

„Existierte der Jude nicht, der Antisemit würde ihn erfinden.“
Jean-Paul Sartre

Egal ob Biografien von Lutz Bachmann und Co., dieser einen, den wir alle haben, Onkel, der „das doch wohl noch sagen darf“ oder die AfD; eines haben sie gemeinsam: Sie werfen anderen ihre eigenen Fehler vor.
Lutz Bachmann beging bekanntermaßen „mehrfach Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, u. a. Körperverletzung, Einbruch, Diebstahl und Drogenhandel“ und hat Angst vor kriminellen Ausländern.
Viele in meinem familiären Umfeld sind leben von Hartz VI und bescheißen den Staat, wo sie nur können. Natürlich gehen sie davon aus, dass die Flüchtlinge das Selbe tun.
Die AfD hat glaubt, dass Muslime unsere Werte bedrohen. Hier dazu eine Statistik:

Das ist natürlich kein Zufall. Ich bin Sohn einer Psychoanalytikerin und habe Freuds gesammelte Werke sozusagen mit der Muttermilch aufgenommen.

Rechtsextremismus ist ein klarer Fall von Projektion. Das ist laut Wikipedia, „ein „Hineinsehen“ von etwas in eine Person oder Situation, was dort nicht oder nicht im vorgeworfenen Ausmaß vorhanden ist.“ Das ist auch, was Sartre mit seinem Zitat sagen wollte: Hass hat nie etwas mit dem Opfer zu tun, so wie Vergewaltigung nie die Schuld der Frau sein kann. Das Problem liegt immer beim  Täter.

Welches Problem haben die Rassisten also. Dazu gibt es einen sehr guten Interview „Warum wählen junge Männer so gerne rechts?“ vom Soziologen Bernhard Heinzlmaier, dem Vorsitzenden des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung.

„Schwäche sucht meist nach Stärke. Vorgeblich starke Männer wie Hofer oder Strache und ihre markige Rhetorik sind attraktiv für schwache junge Männer.“

Heinzlmaier

Der Buddhismus lehrt, nicht in einer Person den Feind zu sehen, sondern in den Gefühlen, von der sie gesteuert wird. Wie können wir also dieses Gefühl bekämpfen, ein absoluter Looser zu sein, der der Gesellschaft egal ist, während diese Ausländer auch noch was geschenkt bekommen?
Es wird nicht in einem System passieren, in dem Menschen egal sind, wenn sie nichts für den Markt produzieren. Und der Anteil dieser Menschen wird steigen. Etwa ein Drittel aller Jobs wird langfristig wegfallen und durch Software und Robotik ersetzt. Und das sind noch die Vorsichtigen Schätzungen. Das Ergebnis: ca. 18 Millionen Arbeitslose zusätzlich in Deutschland.
Aber muss das denn ein Problem sein? Wenn wir viel weniger arbeiten müssen, um genauso viel zu haben, ist das doch ein Grund für eine Party! Und auf Partys finden bekanntlich viele ihr Selbstvertrauen wieder.
Ich rede natürlich vom Grundeinkommen. Vom Projekt, das mittlerweile in der Finnischen Regierungserklärung steht, über das am Sonntag in der Schweiz abgestimmt wird und für das zwei von drei EuropäerInnen stimmen würden, wenn sie nur könnten. Es hat Fans wie Telekom-Chef Timotheus Höttges und dm-Gründer Götz Werner.

Was kann besser für das Selbstwertgefühl sein, als in einer Gesellschaft zu leben, die Dir Geld gibt, einfach nur, weil Du existierst? Ein Feldversuch in Brasilien und Namibia zeigen nicht nur, dass Menschen anfangen, eigene Betriebe und Firmen aufzubauen, sondern, dass sich vor allem eines verändert: ihr Gang. Nicht mit gebeugtem Rücken, den Blick fest am Boden, sonder aufrecht und stolz. Und wer stolz auf sich sein kann, braucht keine Nation mehr. Da bin ich mir sicher.

Aber wir werden es nur sicher wissen, wenn es kommt, das Grundeinkommen. Und es wird kommen!

Lasst uns neue Grundrechte schreiben!

 

Es muss eine unglaubliche Atmosphäre gewesen sein, am 10. Dezember 1948 in der Vollversammlung der UNO. Nach einer Zerstörungswut, die in der Geschichte ohne Gleichen blieb, trafen sich führende Köpfe aller Länder, konkurrierender Systeme und Ideologien zusammen und konnten sich in 183. Plenarsitzung auf 30 Punkte einigen: Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Ich glaube heute brauchen wir sie mehr denn je. Der Faschismus ist auf dem Vormarsch. 23.000 rechtsextreme Straftaten gab es allein 2015 allein in der Bundesrepublik. Ob beim Möchtegern-Sultan in der Türkei, in weiten Teilen Osteuropas oder unter dem bürgerlichen Deckmantel der AfD; unsere Grundrechte werden von vielen Seiten in Frage gestellt. Deshalb ist es um so wichtiger, dass wir heute unsere Rechte verteidigen.

Aber das hören wir viel zu oft. Viel zu selten hören wir, was unsere Rechte eigentlich sind.
Deshalb haben wir für den #DayOfRights dieses Video gedreht: Wir sind das Grundgesetz!

 

Mittlerweile ist es ziemlich viral gegangen. 450.000 Aufrufe in ein paar Tagen.  Frankfurter Rundschau, dem Tagesspiegel und sogar RTL 2 preisen den Clip in höchsten Tönen.

Doch während wir das Grundgesetz feiern, wird eines klar: Sie sind gut, verdammt gut. Aber leider schon fast 70 Jahre alt. Mit dem Schutz von Daten und Umwelt mussten sich die Damen und Herren jener Generation noch nicht befassen. Heute sind sie unabdinglich für eine lebenswerte Zukunft.

Für die Tincon, die jugendliche Version der re:publica, und die Zeit-Stiftung haben 5 coole Menschen in meinem Alter die „Charta der digitalen Grundrechte“ zusammengestellt. Es sind 9 Punkte, die wir uns als Grundlage für das Zusammenleben im Zeitalter der Einsen und Nullen wünschen. Wir stellen sie auf der Messe am 29.5. im Haus der Festspiele vor. Ich kann sie daher Euch noch nicht zeigen. Das ist aber auch nicht notwendig. Ich bin mir sicher, dass ihr eine viel bessere Erweiterung schreiben könnt.Declaration_of_the_Rights_of_Man_and_of_the_Citizen_in_1789.jpg

Deshalb rufe ich Euch heute, am Tag des Grundgesetzes auf:
Lest diese Verfassung. Lest sie und graviert ihre Zeilen in jede Zelle Eures Körpers.

Denn mit Rechten läuft das so: Sie stehen auf Papier, aber sie leben in unseren Herzen.

 

Tu heute etwas, um morgen ein cooler Opa zu sein!

Am 8.5. habe ich das Glück zusammen mit Johanna Mohrfeldt beim Day of Rights ein Seminar über rassistische Polizeigewalt halten zu können. (Ja, Ihr seid alle herzlich eingeladen. Eintritt ist frei!) Das ist nicht ein Thema, dass besonders gute Laune macht. Wer sich nur eine der wahren Geschichten aus Chronik von KOP durchließt, begreift, dass von der „links-grün versifften Korrektheitsdiktatur“, wie die Fans der AfD den Statusquo nennen, keine Rede sein kann. Vorschnelle Urteile, Durchsuchungen und Angriffe: das ist der Alltag vieler People of Colour, aber vor allem schwarzer Menschen in Deutschland. Das klingt ziemlich abgedroschen, ich weiß. Aber uns allen ist klar: Als weißer Hipster kommst Du ungestört durch den Görlitzer Park, selbst bei einer Polizei-Razzia.
Als Schwarze*r sieht das anders aus, denn Du siehst anders aus.
Oder wie es Van Bo Le-Mentzel, der Autor von Hartz VI-Möbel, ausdrückte: „Wenn du als Weißer dein Kind schlecht behandelst, bist du einfach nur ein Asi. Wenn das Selbe als Schwarzer tust, bist du ein Beweis für die Rückständigkeit Afrikas.“ Das gibt einem zu denken, wie viel wir so haben. Besonders mir als weißem Hipster. In Zeiten wie diesen verlieren wir auch schnell die Hoffnung, dass sich das Ganze irgendwie ändern könnte. In meinem Bücherregal steht in der Ecke „irgendwann mal lesen“ schon lange das Buch „Warum wir nicht warten können“ von Martin Luther King. Gestern hat es mich angelacht und ich habe beschlossen, dass dieses irgendwann jetzt ist. Es ist absolut schrecklich!
Nicht, dass es nicht gut geschrieben wäre. Wir alle wissen, was für ein begnadeter Redner dieser Autor und Pfarrer war. Nicht, dass es nicht inspiriernd wäre. Aus gutem Grund gilt er als die Ikone der „Civil Rights“ Bewegung. Es ist schrecklich, weil es im Jahre 1963 geschrieben wurde. Das ist eigentlich gar nicht so lang her. Kurz bevor meine Mutter geboren wurde. Und doch hat sich ihn ihrer Lebenszeit so viel geändert: Allein in der Einführung verwendet einer der größten Visionäre auf knapp 2 Seiten mehr als 20 Mal das Wort „Neger“. Er sagt: „dieses Mädchen gehörte einem Mann“, wie ein Stück Vieh, und hunderte andere kleine Dinge, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können, außerhalb der Montagsproteste in Dresden.
Was heute rechtsextrem ist, war gestern Konsens.
Selbst ein Mensch wie MLK, der seiner Zeit weit voraus war, wirk auf uns so unfassbar gestrig wie von Steinbach oder Seehofer. Dass macht mir unglaublich gute Laune und Lust alt zu werden. Wenn ich mir vorstelle, dass mein Kind ein Buch von Raphael Fellmer oder Harald Welzer (,der übrigens auch am 8. Mai da ist), ließt und sich wundert, wie so etwas mal utopisch sein konnte. Wer weiß, was bis dahin normal sein wird? Vielleicht finden es meine Enkel sogar komisch, dass ich Menschen als schwarz bezeichne, weil sie in solchen Kategorien gar nicht mehr denken. Sie werden es nicht verstehen, dass es zu meiner Zeit im Fernsehen ernsthafte Diskussionen gab, on Frauen nun den gleichen Lohn bekommen sollen. Vielleicht gibt es gar keine Kategorien wie Frauen und Männer, sondern eine eine Skala, auf der sich alle selbst eintragen können. 50% der Leser*innen denken sich grade: was für ein süßer Spinner. Genau, was sich die Zeitgenossen von Gandhi und Nelson Mandela dachten, bis das ganze war wurde. (Und nein, ich denke nicht, dass ich Gandhi bin. Ich bin eher der 1. Follower. Die Ideen sind ja alle nicht von mir.) Aber selbst Mr. King konnte sich nicht erträumen, dass wir heute einen schwarzen Präsidenten als normal verstehen. Ich freu mich schon drauf, von meinen Enkeln zu hören, von welcher Demo sie grad kommen. Ich werde es nicht ganz verstehen können, was sie da wollen. Für mich wird es zu utopisch sein. Und sie werden nicht verstehen können, dass wir tatsächlich täglich 8 Stunden im Büro gesessen haben und noch gegen Kohle demonstrieren gegangen sind und das Grundeinkommen futuristisch fanden. Aber vielleicht werden sie auch stolz sein, was wir für eine Grundlage geschaffen haben, die sie jetzt als selbstverständlich erachten. Wie die Demokratie in ganz Deutschland oder den Mindestlohn. Für mich steht fest: Ich will heute alles tun, um morgen ein cooler Opa zu sein. Oder zumindest cool für meine Zeit…

Nach dem Kapitalismus?! Paul Mason und ich

Die Atmosphäre ist entspannt. Tausende Menschen, die meisten wahrscheinlich Studenten, sitzen im Haus der Kulturen der Welt, schnatternd und lachend. Der riesige Saal ist bis auf die letzten Sitze gefüllt. Draußen ist noch eine Live-Übertragung aufgebaut. Public- Viewing für Kapitalismuskritiker, sozusagen. Die Frage nach dem, was nach dem Kapitalismus kommt, hat offensichtlich eine unglaubliche Anziehungskraft.

Paul Mason ist ein preisgekrönter Journalist, der mit seinem Buch „Postkapitalismus. Grundrisse einer kommenden Ökonomie“ vor allem eines will: unsere Generation wieder träumen lassen. Viel zu lang habe die politische Linke sich darauf beschränkt, Reformen zu verhindern. Jetzt komme es darauf an, eine Utopie zu schaffen, die den Menschen Kraft und Hoffnung gibt. Mit dieser Idee ist Paul Mason leider ziemlich gescheitert.

https://www.flickr.com/photos/chrisboland/11483892415/in/photolist-iuMX86-cBF3jb-cBEWuh-bUpPFM-iTbw4-cBEYty-cBEZZh-fmyGDu-fmjviZ-fmkeJR-fmjS2V-fmjBFp-9EgcDU-pvFbw-b7aKxK-bqZ5as-bDU2sK-ietpvH-i9nFR1-bDU3sz-ifXqaC-bcYr6K-dYKj15-qHkUwB-fo6HnV-fmkc6k-fokTGS-h2D1fW-fmyAq7-b7aVHM-b7axuK-fmjJnc-aupCz5-fokSUj-fmzpDC-fo6xdx-fokMjm-fo6BcR-fokRns-b7arwB-nypDAr-oFEs5b-bd1WTM-oFEqjC-92yBAv-7pUvWd-jNn5BB-9AAMdJ-9rUc38-bqZ7hJ

Photo Credit:  www.chrisboland.com

Denn seine Utopie ist nicht utopisch. Nach mehreren hundert Seiten über die Entwicklung des Kapitalismus kommt dem Gewinner des Orwell Preises eine interessante Idee: In den letzten 200 Jahren konnte sich das System immer wieder aus seinen Krisen retten, in dem es sich anpasste und Verluste für die Bevölkerung und den Planeten hinnahm. Mason argumentiert, dass das heute nicht mehr möglich sei, denn Information verhält sich anders als normale Güter. (Siehe auch „Drei Güter Theorie“ von jodablog)
Information ist frei teilbar. Für uns alle ist es längst Alltag Videos, Musik und Ideen über das Netz umsonst weiterzugeben, weil es niemanden etwas kostet. Professionell nennt man das open source und creative commons. Dabei entsteht ein sozialer Mehrwert: Menschen freuen sich, fangen an zu denken, handeln. Dieser Wert lässt sich allerdings laut Mason nicht vom Markt komplett feststellen und einfangen; er ist schlicht nicht messbar mit Geld. Deshalb baut der Markt Monopole auf, um irgendwie zu überleben: es gibt nur ein Google, nur ein Facebook. Das ist auf lange Sicht nicht stabil und muss irgendwann bröckeln.

Soweit, so gut. Aber dass das heutige System des Teilens besser ohne Geld funktioniert, ist uns ja allen klar.

Mitfahrgelegenheiten war früher umsonst. Jeder und jede konnte in ein Auto hüpfen, dass ja sowieso in diese Richtung musste; ein effizientes Trampen sozusagen. Seitdem Blabla-Car und Uber allerdings Geld für die Fahrt verlangen, fahren Menschen tagtäglich zu Hungerlöhnen durch die Welt, während sich die Macher in Silicon Valley eine goldene Nase verdienen. Denn Uber nimmt kategorisch 10% allen Umsatzes der prekarisierten „Taxifahrer“ für sich. Auf der Strecke zwischen Hamburg nach Berlin fahren Menschen mehrmal am Tag mit einem Großraumauto und verkaufen die Sitze auf Blabla-Car, das Mitfahrgelegenheiten mittlerweile geschluckt hat und jetzt auch ein Monopol ist. Dadurch können sie dreiste 11% „Vermittlungsgebühr“ nehmen. Auf diesen Plattformen beuten sich die Fahrer*innen also selbst aus, erzeugen zusätzliche Emissionen, zusätzlichen Verbrauch der Straßen und höhere Staugefahr, während in den umliegenden Autos jeweils nur eine Person sitzt.

Bei couchsurfing können nette Leute in freien Betten oder eben der Couch schlafen. Für Air BnB werden, wie diese Studie eindrücklich zeigt, Wohnungen extra nicht an Anwohner vergeben, sondern als Apartments gewinnbringend vermietet.

 

Eins wird also klar: Sharing-Economy mit Geld zu verbinden vermehrt die Probleme , die sie ohne Geld lösen könnte.

Wikipedia ist komplett umsonst. Niemand bekommt einen Cent dafür, Einträge zu schreiben oder zu lesen. Und doch konnte es von keinem kommerziellen Anbieter auch nur ansatzweise gefährdet werden. Jede zweite Website, die ihr seht, ist auf github von mehreren Menschen erstellt worden, die das oft umsonst machen und frei einsehbar und frei kopierbar.
Was wir brauchen ist sozusagen eine Subvention, die all diese unentgeltlichen Wirtschaftszweige sprießen lassen würde: das Grundeinkommen. Fast alle meine Freunde in ihrer Freizeit arbeiten für die Welt, schreiben Codes, organisieren sich in Projekten für Geflüchtete etc. Mit dem BGE könnten sie das zum Vollzeitjob machen.

Das fordert auch Paul Mason. Aber utopischer wird es dann auch nicht. Als ich nach der Veranstaltung Freunde und Fremde fragte, wie sie es fanden, war die Antwort meist gleich:
Die Stimmung war gut. Aber der Inhalt,… nichts besonderes.
Denn was wäre denn eine wirkliche Vision, auf die wir hinarbeiten können?

Hier mal eine Skizze:

2020 wird in Deutschland das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt.
10% der Bevölkerung nehmen sich erstmal frei. Zahlreiche Waffenunternehmen und Drogenkartelle können ihre Jahresziele nicht einhalten, weil keiner mehr für sie arbeiten will.

2030 ist Jobsharing die Norm. 60% der Bevölkerung teilen sich also einen 40 Stunden Arbeitsplatz mit einer anderen Person. Dadurch haben beide mehr Zeit und arbeiten effizienter. Durch die neu gewonnen Freizeit können sie sich wichtigerem widmen.
Dadurch setzen sich überall, wie bei Wikipedia, Netzwerke gegenüber Hierarchien durch. Viele arbeiten auf dem Land oder im Handwerk. Eine extrem starke Open Source- Bewegung und Fab Labs, offenen Werkstätten mit neuster Technologie, die es an jeder Ecke gibt, machen Reparieren und selbst bauen ganz normal. Denn Videos und Bauanleitungen gibt es in Hülle und Fülle.
Gesetze werden über eine Website, die sicherer ist als unsere heutigen Banken, entworfen und abgestimmt. Nicht Parteien, sondern Aktionen und Projekte werden gewählt. Das neue Handelsabkommen STRIP bekommt nicht ausreichend Likes, um umgesetzt zu werden. Wir stimmen stattdessen für ein freien Flughafen Tegel und Schönefeld, denn der BER ist nun endlich fertig. Wir schaffen Miete ab.

2040 wird Europa von einer tiefen Finanzkrise getroffen. Unternehmen gehen pleite, Banken stehen vor dem aus. Das interessiert allerdings niemanden, denn sie arbeiten ja sowieso nur 50% dort und es hat ihnen in letzter Zeit nicht mehr so gefallen. Es besteht schon seit langem ein effizientes Online-Netzwerk, dass Bauern, Helfer und Konsumenten ohne Geld verbindet. Für Essen ist also gesorgt. Miete müssen wir seit 10 Jahren nicht mehr zahlen und haben alle im Jahr 10.000 Euro angespart.
Derweil hat ein freiwilliges Team aus Wissenschaftlern aus verschiedensten Teilen der Erde die schon jahrelang verfügbaren Full Power Akkus auf Smartphone-Größe reduziert. Per USB können wir die Batterie nutzen, um es mit unseren dezentralen Energiequellen aufzuladen und dann unsere Wohnung zu versorgen. Die Reisenden zahlen kein Geld für die Fahrt, sondern steuern ein bisschen von dem Strom bei, den sie als Akku in der Hosentasche tragen.

2060 versagen die allerletzten Maßnahmen der Unternehmen, Menschen mit Zwang bei sich zu halten. Wirtschaft ist freiwillig und dadurch weit effizienter. Niemandem muss mit Werbungen gesagt werden, dass er/sie dieses oder jenes Produkt braucht. (Heutige Werbeausgaben: jährlich 500 Milliarden Euro) Wir brauch nur noch, was wir wirklich brauchen. Wir machen, was wir wirklich gut können. Eine 60 Stunden Woche würden wir den Alltag dieser Zeit nennen. Doch es fühlt sich nicht wie Arbeit an, zu tun, was Du liebst.

Das klingt für viele jetzt bestimmt ziemlich verrückt. Für mich auch. Aber die Utopie war nie dazu da, in Erfüllung zu gehen. Sie ist allein ein Grund loszulaufen.

Was hast du gesehen? Schreib es auf. Jetzt.
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