Wie reisen so richtig Spaß macht

Natürlich. Wer Lust hat, kann in den nächsten Flieger steigen und an einem weit entfernten Strand in einem Luxusresort Cocktails schlürfen. Oder Backpack und Lonely Planet schnappen und in Billig-Hotels Cocktails schlürfen. Aber zum Glück hat die Welt noch mehr zu bieten. Nach mehr als vier Monaten auf der Reise durch Indien fühle ich mich berechtigt, ein paar Tips zu teilen, die diese Reise zur besten Zeit meines Lebens gemacht haben. Naja unter anderem. Aber auf jeden Fall unter den Top 5.
Zur Sache:

1. Das alte Ich zuhause lassen

Irgendwie ist uns ja allen klar, dass wir weg gehen, um Neues aufzunehmen. Und dass auch dazugehört, alte Angewohnheiten, ob gut oder schlecht, vielleicht mal ruhen zu lassen.

Viel wichtiger als was Ihr mitnehmt, ist nämlich, was Ihr nicht mitnehmt.

Ob Ihr Raucher seid oder, wie ich, jeden Tag den selben Mate trinkt; eine Reise ist wie dafür gemacht, das Ganze mal aus der Distanz zu bedenken; physisch wie psychisch. Wenn Euch Euer altes Ich bei der Rückkehr noch gefällt, könnt Ihr ja einfach da weiter machen, wo Ihr aufgehört habt.
Seid so offen wie möglich, so offen, wie Ihr es Euch zuhause nicht traut. Wenn es schief geht, seht Ihr die Leute sowieso nie wieder. Aber nur so gebt Ihr den Menschen die Chance Eure neuen besten Freunde zu werden.
Versucht auch auf jegliche Reiseführer oder sonstige Experten zu verzichten. Wenn ein, zwei Autoren in wenigen hundert Seiten versuchen, ein ganzes Land zusammenzufassen; das kann doch nichts werden. Fragt Menschen, die Euch sympathisch sind und schon etwas gesehen haben. Ihr habt bestimmt einen ähnlichen Geschmack; oder zur Not einfach nur ein schönes Gespräch.
Wenn Ihr trotzdem unbedingt ein Buch wollt, lasst den Regenwald stehen und nehmt eins der unzähligen Exemplare, die in jedem Traveler-Café rum liegen. Dann müsst Ihr Euch auch nicht ärgern, dass Euch dieser Schinken den Platz im Rucksack raubt. Wie ich…

2. Couchsurfen

Ihr seid jetzt also Euer neues Reise-Ich, mit Selbstbewusstsein anstatt Schickschnack im Gepäck. Jetzt geht es um neuen Input.
Grundsätzlich gilt natürlich: überall warten interessante Menschen und mit anderen Travellern zu quatschen, kann wirklich inspirieren. Aber zum einen gehen die ewig gleichen und nichts sagenende Fragen auf die Nerven („Wo kommst Du her?“, “ Was ist Dein Beruf?“). Zum Anderen suchen wir ja die Fremde in der Fremde.
Couchsurfen ist da der perfekte Weg aufgeschlossene Lokals zu treffen und so einen Einblick in das wirkliche Leben zu gewinnen. Inder lassen es sich meist nicht nehmen, daraus eine mehrtägige Stadtführung zu machen, auf der sie Euch auf jedes Essen und jeden Snack ohne Wiederrede einladen. Die indischen Mütter werden Euch bekochen und verpflegen, als hättet Ihr grade ohne Proviant den Himalaya überquert. Das passende indische Sprichwort dazu ist : „Guest is God.“ Aber ich finde Ausländer werden hier eher behandelt wie die eigenen Kinder.
Wenn wir anderen Reisenden von diesen Glücksmomenten erzählen, sind sie völlig erstaunt. In Restaurants und Frittenbuden hatten Sie so etwas nie erlebt.
Jedes Mal, wenn meine Freundin und ich uns von einem/einer CouchsurferIn verabschieden müssten, waren wir den Tränen nahe. Es waren genau die Personen, die diese Zeit so unvergesslich gemacht haben.

3. Nicht besser oder schlechter, anders

Das ist der Leitsatz meiner Austauschorganisation AFS und er ist zugegebenermaßen etwas kitschig. Aber wahr.
Denn es macht wenig Sinn vom ersten Tag an die vorgefundene Kultur zu beurteilen. Vieles scheint seltsam, manches vielleicht sogar geisteskrank. Wenn Ihr aber mit neutralem Blick versucht, Euch einen Reim aus den Riten zu machen, dann werdet Ihr sehn: Es hat doch einen Sinn, was die Menschen seit Jahrtausenden machen. Und wenn alles nicht hilft:

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Wieder ein Argument für Freunde aus der Region, die Euch mit Sicherheit weiterhelfen. Zur Not bekommt der/die Neugierige mit den kleinsten Fetzen der einheimischen Sprache auch eine Antwort.

4. Weniger ist mehr, glaub‘ mir!

Das sage ich nicht nur als eingefleischter Öko. Jedes überflüssige Gramm wird beim Laufen mit Rucksack zur Tortur. Vor allem, wenn klar wird, dass das verfluchte Zeug sowieso bis zur Heimkehr unangetastet bleibt.
Was deshalb zuhause bleiben sollte:

I. Mehr Kleidung als nötig;
vier Shirts, zwei Hosen sind Luxus
II. Sonder-Spezial-Ausrüstung;
ob Outdoor-Espressobecher oder nanofaser Handtuch, es hilft auf der Reise im besten Falle kaum und staubt danach im Schrank ein
III. Alles Teure;
Es ist ein unglaublich befreiendes Gefühl zu wissen: „Selbst, wenn jetzt alles geklaut wird, es ist wirklich nicht schlimm.“

Was allerdings praktisch und Öko ist:

I. Eine Thermoskanne; ein kaltes oder heißes Getränk kann manchmal den Tag retten. Statt ständig alles in Einwegbechern zu trinken, könnt Ihr einfach den Deckel nehmen. Das setzt auch ein Zeichen!
II. Ein Menstruationsbecher; von meiner Freundin als hygienischer und praktischer wärmstens empfohlen.
III. Ein Wasserfilter; ist zwar in Indien eigentlich nicht notwendig, weil alle ihre Flaschen für ein paar Cent wieder auffüllen können. Wer allerdings in entlegenen Regionen Plastikflaschen meiden will, ist damit gut bedient.
IV. Einen Jutebeutel, immer gut!

5. Der Weg ist das Ziel

Genau wie Tag und Nacht schön sind, aber nichts im Vergleich zum fließenden, farbenfrohen Übergang, kann eine Fahrt mit Zug oder Bus der der schönste Teil der Reise sein. Wir begreifen das Gesehene. Wir können die Facetten des Wandels in Natur und  Architektur wahrnehmen. Oder einfach Musik hören. So oder so ist es wunderschön, Zeit zwischen den Stationen der Reise zu haben.

Über Land oder mit dem Schiff zu reisen, ist nicht nur besser für das Klima der Welt, sondern auch das der Reise.

Letztendlich sollte allerdings Euer einziger Kompass Euer Verstand sein. Ihr merkt, welchen Menschen Ihr trauen könnt und welchen nicht. Ihr merkt auch, dass es mehr hilfsbereite Menschen gibt, als Ihr zu hoffen gewagt habt. Und Ihr merkt, dass alle Sorgen, die Ihr Euch gemacht habt, völlig lächerlichen Hollywood-Stories entspringen.

Also was hält Euch auf? Erkundet die Welt, so unbeschwert von Dingen und Gedanken und kommt zurück mit einer Schatzkiste von Geschichten und Gesichtern. Und der ein oder andere Cocktail zwischendurch darf natürlich auch sein.

Du gegen IS

Es ist schon erstaunlich, was 30.000 Menschen mit Unmengen an Waffen, Unmengen an Geld und professionellem Medienmanagement mit der Welt machen können: Die Einen schreien „Endlich wieder Krieg“, weil sie sich schon immer gedacht haben, dass mit diesen Ausländern irgendwas nicht stimmt. Die Anderen verkriechen sich im Keller, trauen sich nicht mehr feiern zu gehen oder Urlaub zu machen. Das ist zumindest das Bild, was von meinen Freunden zu mir nach Indien schwappt. Eins ist klar: der IS ist mächtig. Aber es ist genauso offensichtlich, dass er nicht halb so mächtig wäre, wenn wir nicht mitspielen.
Deshalb sind hier 3 Wege, mit denen Du den IS Tag für Tag untergraben kannst!

  1. Finanzierung abschneiden – Fahrrad fahrenDer „Islamische Staat“ ist, wie David Cameron treffend bemerkt, weder islamisch noch organisiert genug, um sich Staat nennen zu können. Es macht mehr Sinn diese Miliz als Firma zu verstehen, besonders wenn wir ihre Vorgehensweise analysieren. Dieser gut gemachte Beitrag von Amnesty International schildert verständlich, dass es keineswegs nur überzeugte Islamisten sind, die sich dem Mob anschliessen. Mit mehreren tausend Dollar monatlich lassen sich Menschen auch ganz einfach kaufen. Besonders, wenn die Alternative ist, dass deine ganze Familie gelyncht wird. Und auch die verwirrtesten Tempelritter müssen ihre Rechnungen bezahlen.
    Krieg ist teuer. Das ist unser Vorteil.
    Der Pseudo-Staat finanziert sich hauptsächlich über Erdöl-Export. Das bringt unglaubliche 360.000 US-Dollar am Tag ein. Dazu kommen noch Spenden aus rohstoffreichen Ländern, wie Katar und Saudi Arabien. Wenn wir also dieser Firma die Einnahmenquellen austrocknen wollen, ist klar, was passieren muss.


    Photo credit: sogesehen.
    via Foter.com / CC BY-NC-SA

    „Fahrradfahren gegen IS!“ – Das soll unser Schlachtruf sein.

    Jedes Mal wenn Ihr in die Pedale tretet oder regionales Essen kauft, schwächt ihr den Terror. Und es ist nebenbei auch noch gesund!
    Konsequente Gegner müssten auch daran arbeiten, dass jede Region so schnell wie möglich energieautark wird. Komisch, dass die AfD in dem Punkt Saudi Arabien so lieb hat.

    Wenn Ihr Vogelfutter verteilen wollt, ist das natürlich auch kein Problem. Denn alles, was geschmuggelt werden muss, könnte den Jihad finanzieren.

  2. Muslimische Freunde habenSowohl die Extremisten im Westen als auch der IS leben von einem klaren „Wir gegen die“. Nur wenn „das Europa“ gegen „den Islam“ kämpft, funktioniert ihre Rhetorik. Das lowerclassmag macht klar, dass wir uns nicht vereinnahmen lassen dürfen. Wer diesen Blog liest, hat mehr mit Raif Badawi gemeinsam als mit Seehofer oder Le Pen. Das können wir als Facebook-Status schreiben, aber wen interessieren schon Worte. Ladet mal wieder Eure muslimischen Freunde zur Party ein. Lest ein Buch von einem guten arabischen Autor, Khalil Gibran z.B..

    Bleibt nicht am Westen hängen. Freut Euch an allen vier Himmelsrichtungen.

  3. Beim Namen nennen 

    In der arabischen Welt wird die Terrorgruppe mit der arabischen Abkürzung Daesch bzw. Daiisch betitelt und damit verspottet sowie von der restlichen muslimischen Gemeinde isoliert. Frankreichs Regierung  hat diesen Titel deshalb übernommen und ich glaube, dass sollten wir auch.

 

Alles in allem heisst die Devise Unabhängigkeit. Im Denken wie im Konsum. Wir müssen aufhören, den falschen Menschen Respekt zu zollen. Denn das gibt ihnen ihre Macht.
Wenn wir richtig denken und handeln, sind es nur noch 30.000 Idioten gegen den Rest der Welt.