Kunststoff zu Rohstoff

Ich habe Euch erzählt, dass ich ab und zu Plastik sammle. In Indien ist es zu einem Hobby geworden: Es ist einfach ein unglaublich befriedigendes Gefühl, mit wenigen Handgriffen einen Sandstrand oder ein Stück Regenwald zu befreien.
Wir dürfen grade in Kerala bei einer wundervollen muslimischen Familie
bleiben, die mit einer unbeschreiblichen Liebe bekocht und umsorgt, ganz nach dem indischen Sprichwort: „Der Gast ist Gott.“

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Bei einem kurzen Spaziergang durch den von Palmen und Pfefferpflanzen gesäumt Dschungel, der das Haus umgibt, sammle ich also ohne groß nachzudenken ein bisschen Plastik. Als ich unserer Gastgeberin nach einem Mülleimer frage, erlaubt sie sich einen Spaß, legt die Tüte mit den Schnipseln und Flaschen auf den Boden und tut, als würde sie sie dort anzünden. Sie lacht. Ich auch. Dann sagt sie: „Nein, nein. Wir verbrennen den natürlich draußen.“ Ich frage, ob denn niemand den Müll abholt. „Abholen, wieso?“
Plastik fand vor 20 Jahren seinen Weg in die indische Konsumgesellschaft. Davor gab es kein Problem, wenn die Verpackung nach dem Essen einfach aus dem Fenster geworfen wurde, es waren schließlich Bananenblätter. Dass Kunststoff im Gegensatz zu allem zuvor bekannten bis zu 500 Jahre braucht, um zu verschwinden und dazu schädlich für die Gesundheit ist, zeigt sich nun immer deutlicher. Selbst in den  entlegensten Winkeln des Landes sind knisternde Relikte von Snacks zu finden. Premiere Modi will Plastiktüten jetzt verbieten und startet eine entsprechende Kampagne. Doch während in Mumbai ein entwickeltes Abfallsystem die Straßen der 18-Millionen-Metropole erstaunlich sau er hält, sieht die Realität in fast allen kleineren Städten anders aus: Jeden Morgen und jeden Abend werden die Straßen sorgfältig gesäubert; Laub, Stöcker und Plastik auf einen Haufen gefegt und angesteckt.
Das Verrückte ist, dass trotz all dem, diese Menschen meist nicht ein Mal die Hälfte unseres CO2-Fußabdrucks haben. Der Kaffee, den wir hier zum Frühstück trinken, können wir beim Wachsen zuschauen. Gewaschen wird sich aus einem Eimer, was nicht nur Wasser spart, sondern auch super viel Spaß macht.

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Es könnte ein perfekter Kreislauf sein. Deshalb habe ich es mir in den Kopf gesetzt, mit verschiedenen besonderen Menschen in Indien 3D-Drucker aufzustellen, die ausschließlich mit recyceltem Plastik betrieben werden. Denn erst wenn Kunststoff zum  Rohstoff für Neues wird, werde ich eine Antwort auf die Frage haben: „Abholen, wieso?“

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Wieso alles grad so abgeht

Wieso alles grad so abgeht

Ich bin mir sicher, dass dieser Artikel nicht 100% wissenschaftlich korrekt ist. Und auch, dass es gefährlich sein kann, Naturgesetze auf die Menschheit zu übertragen. Aber darum geht es mir auch nicht. Denn eine Geschichte muss nicht wahr sein, um etwas zu bewegen. Es liegt allein an den Zuhörern, ob sie ihr die Kraft geben, etwas zu verändern.
Entropie bezeichnet sowohl in den Naturwissenschaften als auch in der Soziologie die sich mehrende Unordnung aller Dinge. In diesem Zustand des ständigen Zerfalls ist es bei hohem Energieaufwand allerdings auch möglich Ordnung zu erschaffen. So entstand im chaotischen Universum, die Erde, das erste Leben und schließlich wir Menschen, die wohl so komplex wie kaum etwas in dieser Welt sind. Sogar zwischen diesen Individuen konnten weitere einzigartige Strukturen entstehen: Familien, Clans, NationenHeute befinden wir uns in einer Zeit von extremen Spannung, also hoher Konzentration von Energie.
Es ist also möglich, dass aus diesen chaotischen Zeiten etwas größeres erwächst, aber der Weg dorthin steinig ist. Die Welt war noch nie mit so viel Kommunikation konfrontiert, noch nie war Reisen so einfach und günstig. Alles, was wir machen müssen, ist Lernen, damit umzugehen. Wir müssen Energie in die richtige Richtung investieren und es kann sein, dass wir belohnt werden, mit etwas, das vor dem Internet unmöglich schien:

Nicht mehr einer Ansammlung von Menschen, sondern einer Menschheit.

Ob nun wissenschaftlich korrekt oder nicht, diese Idee hilft mir in schweren Zeiten an das Gute zu glauben. Vielleicht gibst Du ihr ja die Kraft das Selbe für dich zu tun.

3D Ethik

Ich schreibe diese Zeilen aus dem Paradies: Sonne, Sandstrand, nette Menschen und bestes Essen. Am Om-Beach in der Naehe von Goa gibt es neben Musik machen, lachen und einfach geniessen, nicht wirklich viel zu tun. Dieser Ort ist perfekt; perfekt bis auf den Plastikmuell, der ueberall zwischen Felsformationen und Sandburgen zu finden ist. Es scheint als waeren wir alle Adam und Eva, die sich Tag fuer Tag ihr Paradies verbauen.

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Zum Glueck ist unsere Generation gesegnet; gesegnet mit Technologie, die es erlaubt, so schnell und guenstig wie noch nie in der Geschichte der Menschheit zu kommunizieren, zu teilen; gesegnet mit 3D-Druckern, die in Windeseile jeden beliebigen Gegenstand erschaffen koennen. Ganz ohne Transport. Ganz ohne Verschwendung. Wir setzen sehr viel Hoffnung in diese Erfindung und stellen uns vor, wie viel sie veraendern koennte. Eine aehnliche Innovation hat zu ihrer Zeit aehnlichen Glauben erweckt:
Als im 19. Jahrhundert Duroplast, Zelluloid, Venyl und Linoleum erfunden wurden, waren die Menschen begeistert. Diese Materialien formten die Generationen, die folgen sollten, ihre Kultur, ihren Konsum. Welche Moeglichkeiten sich ergeben, wenn wir langlebige Produkte zu einem Bruchteil des vorherigen Preises produzieren koennen. Die heutige Realitaet kennen wir alle: anstatt Plastik, das bis zu 500 Jahre halten kann, Langlebiges zu verwenden, machen wir daraus Einwegbecher, Einwegverpackungen und Einwegflaschen. Wir haben die Chancen dieses Materials, das leicht, stabil und guenstig ist, wie kein anderes, leider nicht richtig genutzt. Uns sollte das Selbe nicht noch ein Mal passieren!
Wenn der derzeitige 3D-Druck populaer wird und wie normale Drucker in jedem Haushalt zu finden ist, dann koennen wir uns die Probleme vorstellen: Jede*r sitzt allein daheim und druckt, was jetzt grad gebraucht wird. Und dann landet es im Muell. Oder nimmt Platz im Regal weg. So wie es so oft mit dem Druckerpapier geschiet. Aber 3D-Druck ist viel zu toll, um es irgendjemandem vorzuenthalten. Diese Erfindung wird und sollte ein wichter Baustein der Zukunft sein. Es ist nur wichtig, dass wir es dieses Mal richtig machen.
Deshalb habe ich 3 Ethiken des 3D-Drucks aufgestellt. Sie sind nicht unumstoesslich und es gibt bestimmt vieles Weiteres, das in diese Liste gehoert, aber dafuer gibt es ja Euch!

1. Bevor ich einen Gegenstand drucken moechte, sollte ich mich erkundigen, ob er schon in meiner Naehe existiert. Damit spare ich Zeit, Geld und Ressourcen. Im Optimalfall laesst mich das mein digitaler Freund vor dem Druck automatisch wissen. Das funktioniert natuerlich nur, wenn ich meine Produkte auch teile.

2. Jeder 3D-Drucker ist mit einem Upcyclinggagdet ausgeruestet. Damit laesst sich in wenigen Minuten Plastikmuell zu “Tinte” fuer das naechste Produkt umwandeln. Damit ist alles, was aus dem Drucker kommt, automatisch Recycling. Und sogar dezentral. Die Technologie fuer diesen Gedankenstreich befindet sich derzeit jedoch noch im Entwicklungsstadium. Der fertige Apparat sollte natuerlich als CC-Lizenz fuer alle frei druckbar sein.
Wenn es der Gegenstand hergibt, sollte er am Besten komplett aus organischen Bestandteilen sein.
Mir waer es natuerlich am Liebsten, wenn wir Dali als Maxime nehmen: “Alles Schoene soll essbar sein.” Aber 3D-Produkte, die auch noch gut schmecken, ist dann wohl der naechste Schritt.

3. Immer wenn ich einen Gegenstand designe, lasse ich einen Simulator nach Druckstellen suchen. Wenn der versagt, sollte die Crowd eine leihenfreundliche Moeglichkeit haben, diese anzuzeigen und zu beheben.

Wir leben wirklich in einer tollen Zeit voller neuer Wege und alter Probleme. Wir muessen die Probleme der Vergangenheit nicht mitnehmen.

Die Natur kennt keinen Muell. Die Zukunft hoffentlich auch nicht!