Nintendo-Core, Party und Falafel

Jeder kennt ihn: Der Moment, in dem es „Klick“ macht, eine lang erdachte Theorie sich als wahr oder völligen Murks erweist und wir die Welt mit neuen Augen sehen. Wäre das Leben ein Comic, würde eine riesige Glühbirne über einem erscheinen. Im echten Leben bleibt mir nichts anderes übrig, als Euch einen liebevollen Post zu widmen.

Just what I need when I run out of ideas :) Had some time during the break for a couple of quick sketches using the Sharpie marker and Pilot 0.5 sign pen :)

Also mein Schlüsselerlebnis über

Einstellung:

Es ist Sonntag Nachmittag. „Respekt für diese Ausdauer“, denke ich mir als ich an einem komatös in die Ferne starrenden Hipster mit allem Zubehör vorbeikomme. Zusammen mit circa zehn Anderen warten wir auf den Bus. Als ich meine Kopfhörer abnehme, verstehe ich woher die hasserfüllten Blicke meines Umfelds herkommen: aus einer faustgroßen Anlage der Partyleiche kommt trashiger Nintendo-Core, was den Geschmack des offensichtlich schlagersozialisierten Publikums dann doch eher verfehlt. Sich aber zu beschweren, traut sich keiner.

Ich beschwere mich nicht gern. Ich mag das Leben leicht.

Obwohl ich die Musik eher witzig als anstrengend finde, gehe ich einfach hin und frage, ob er die Musik ausmachen kann. Natürlich nicht so. Nach einem einfachen Schema, dass fast immer funktioniert:

1. Sympathie bekunden

2. Problem schildern

3. Lösungsweg skizzieren

Ich sage also wahrheitsgetreu, dass mich die Musik nicht stört, die anderen Personen, besonders die über 70 offensichtlich schon. Ich frage, ob er deshalb Kopfhörer benutzen könne. Nachdem ich die Frage, ob ich Stress wolle, kurzerhand mit Nein  beantworte, verfallen wir in einen Smalltalk über seine Party, die Probleme mit seiner Ex und seinen Plänen für den Tag. Eine witzige Begegnung eigentlich, eröffnet durch eine positive Einstellung.

Ans Ziel gelangen

Was kann man sich mehr wünschen, als mit Menschen zu sein, mit denen es sowieso egal ist, wo man hingeht. Wir hatten einen wirklich wunderschönen Tag miteinander verbracht und wollten das ganze mit einem Besuch im Club abrunden. Leider war es schon 3 Uhr morgens und die Hälfte von uns war eingeschlafen. Also weckten wir sie, um ihnen sie auch teilhaben zu lassen. Nach endloser Aufsteh-Motivationsarbeit, Styling-Beratung und Bahnfahrt kamen wir dann endlich zum Club, nur um eine mehrere hundert Meter lange Schlange vorzufinden. Als wir daraufhin eine kleine Umfrage starteten, wer den eigentlich Lust aufs Tanzen hätte, wurde uns klar, dass in den letzten Stunden etwas sehr merkwürdiges passiert war: Jeder von uns hatte, um jemandem einen Gefallen zu tun, andere motiviert endlich los zu gehen, die wiederum andere motivierten und so weiter. Dieser selbstbeschleunigende Prozess brachte uns schließlich vor die Tür eines Clubs, vor dem keiner von uns wirklich sein wollte. Jeder glaubte, dem anderen einen Gefallen zu tun und so machten wir uns alle unglücklich. Nein, nicht unglücklich. Es war wie gesagt eine Auswahl der schönsten Menschen dieser Welt und wir lachten wie selten im Leben. Dann gab es Falafel und wir gingen alle fröhlich nach Hause.

Was bleibt mir also von diesen Momenten? Das Wissen, dass Kommunikation immer hilft. Das wir uns nur klar machen müssen, was uns wirklich glücklich macht. Und die Sicherheit, dass Falafel um 5 Uhr morgens einfach am besten schmeckt.

Der Angstbürger

Ich bin kein großer Freund davon, einzelnen Menschen oder kleinen Gruppen die Schuld an Symptomen eines schlechten Systems zu geben. Wer Eu-Außengrenzen militärisch verbarrikadiert, sollte sich nicht über im Mittelmeer ertrinkende Flüchtlinge oder unmenschliche Schlepper pikieren, denn sie sind nur die logische Konsequenz von unmenschlicher Politik.
Genauso die berühmten „Aber-Nazis“, die sich nicht als rechtsextrem verstehen, weil sie ja die Ausländer nicht selbst umbringen wollen: Sie sind genauso Teil dieser Weltbevölkerung und sie einfach abschieben zu wollen, zeugt von der selben Ignoranz, die man ihnen vorwirft. Es ist also wichtig, diese Menschen nicht zu entschuldigen, aber zu verstehen, um ihrem rassistischen Gedankengut die Grundlagen zu entziehen.
Wer ist also der Angstbürger, der ach so besorgte Bürger,der „Nazi in Nadelstreifen“? Ich will hier ein paar Analysen aus der Politik und Literatur mit Eindrücken, die ich leider immer häufiger in meinem persönlichen Umfeld mache, verbinden. Wer keine Lust hat, das hier alles zu lesen, kann auch einfach „Schrei nach Liebe“ hören, viele Erkenntnisse decken sich nämlich.
Also: Der neue Rechte ist tatsächlich besorgt. Er sieht Deutschland und die Welt auf dem Abstieg. Überall Kriege, Umweltzerstörung, Armut. Er sieht dadurch seine weder gute, noch prekäre finanzielle Situation gefährdet, denn die Besorgten, sind selten die, die nichts zu verlieren haben. Neben der Grundstimmung des generellen Untergangs bewegt diesen Typus Mensch das Gefühl, schon mehr als genug gegeben zu haben. Daraus folgt ein radikaler Egoismus, der auch den Gesetzesbruch nicht scheut, siehe den Vorstand von Pegida. Dieser wird, um nicht allein dazustehen, allen anderen Mitgliedern der Gesellschaft in noch größerem Maße vorgeworfen wird, derzeit natürlich besonders Geflüchteten. Um nichts abgeben zu müssen, werden weltweite Probleme Kulturen, Relgionen, Rassen und anderen Merkmalen zu geschrieben, die halt nicht auf einen selber passen. Aber es ist auch Angst, die diese Menschen umtreibt.

Angst ist die Vision derer, die keine Vision haben!

Grade ist mein lieblings Runninggag, eine ultra-politisch korrekte Sharia-Diktatur zu errichten. Denn das ist, was diese Menschen fürchten. Eine Vermischung von Feindbildern, wie sie nur aus diesen Kreisen kommen kann, ähnlich wie die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung; kollektiver Realitätsverlust könnte man sagen. Aus dem Unvermögen, sich eine bessere Welt vorzustellen, wächst die Angst vor Veränderung jeglicher Art. So beschleicht sie ein Sonntagsfeminismus, wenn es um Themen wie Kopftuch geht, der bei Themen wie Herdpremie und Gender ins extreme Gegenteil umschlägt. Ein schönes Bespiel ist das Familienbild der AfD, mit dem sich der IS vielleicht auch zufrieden geben würde.
Das Mindsetting dieser Menschen lässt sich also in „selber schuld“, „man kann nicht allen helfen“, „das machen doch alle so“ und „das war schon immer so“. Es ist ein latenter Selbsthass, der diese Opfer der Bild umtreibt. Doch ihre unreflektiere und völlig wahrlos zusammen gewürfelfe Argumentation (Flüchtlinge sind Islamisten und gleichzeitig Schnorrer aus dem Balkan), macht die Welt zu ihrem Spiegelbild und was sie an sich selbst nicht mögen, sehen sie im Fremden. Sie denken generell nicht viel über sich selbst nach, wissen nicht, was sie ausmacht. Demnach müssen sie sich über Materialismus und Negationen definieren: „Ich bin kein Moslem, kein Schwarzer, etc.“ Dies geschiet oft in Kreisen, die noch keine gemeinsame Identität gefunden haben, wie das frühe Deutschland und das jetzige Europa.
Wie man sieht ist ihr Leben und ihre Sicht auf die Welt einfach sehr traurig. Das sollten wir ändern, zu unserem und deren Vorteil!
Also hier ist der Aktionsplan: Wir brauchen
1.mehr Selbstfindung, in der Schule wie im Beruf. Denn wer mit sich selbst zufrieden ist, muss sich nicht über Hass auf das Andere definieren.
2. mehr Umwelt- und Sozialprojekte von kleinauf, denn wer merkt, dass es möglich und schön ist, die Welt zu verbessern, verbittert nicht vor Problemen.
3. mehr Inspiration und Lösungsvorschläge in den Medien, denn die Psychologie lehrt uns, dass man langfristig keine Schuld ertragen kann. Deshalb übertragen unengagierte Menschen diese Schuld auf den Rest der Welt. Wüssten mehr Leute, wie sie schnell aktiv werden können und wie viel sich schon bewegt, fällt es schwer als Einziger faul sitzen zu bleiben. Aber lasst uns nicht auf die nächste Bildungsreform warten! Fragt einfach mal in Schulen, ob ihr mit den Kindern im Schulgarten Tomaten anpflanzen könnt oder mit Flüchtlingen Fußball spielen. Das ist bestätigend und einfach nur schön.
Kinder sind für fast alles offen, außer Spinat. Wer in diesen Jahren die Welt probiert hat, muss keine Angst vor ihr haben. Dann muss niemand niemanden Abschieben, nicht die Fremden, nicht die Nazis. Wär doch schön oder?