Der Weg zur Brüderlichkeit

Klausur 11. Klasse, Krisenanalyse. Keynes oder Neo-Liberalismus war die Frage? Sparen oder Investieren? Heute ist die Frage in Griechenland sparen oder fliegen? Viele Deutsche behaupten mit erschreckender Überheblichkeit, das sei auch gut so.

Dazu sagt der Ökonom und Schöpfer der Alternativwährung SUCRE Pedro Páez: „Ich möchte kein Schulmeister sein, aber mich erschreckt, dass bei der Euro-Krise mit den gleichen substanzlosen Mythen und Argumentationen gearbeitet wird, die sich in Südamerika bereits vor 30, 40 Jahren als falsch erwiesen haben.“ In Deutschland herrscht derzeit der Konsens vom faulen Griechen, der über seine Verhältnisse lebt. Die Diskussion über den Umgang mit der Krise im Schöpfungsland der Demokratie vereinfacht deren Ursachen systematisch und grenzt in den Augen vieler an Volksverhetzung.

Denn in dem von selbsternannten Finanzexperten oft angeführte Argument, dass die Sparprogramme in Irland, Portugal und den anderen krisengeschüttelten Euro-Staaten ja auch angeschlagen haben, schwingt ein gefährliches Maß an Markverherrlichung mit. Natürlich ist es für Exportnationen wie Irland mit fortgeschrittener Hightech-Industrie durch Angebotspolitik, also sinkende Löhne und weniger Arbeiterrechte, leicht, die Wirtschaft so anzukurbeln. Im auf Landwirtschaft, Tourismus und Transport fokussierten Griechenland kann diese Therapie nicht anschlagen, weil Austeritätsmaßnahmen immer einen Einbruch der nationalen Nachfrage bedeuten, die für diese Wirtschaftszweige unerlässlich ist. Wenn Renten und Löhne um 30% sinken, die für die Unterschicht relevante Mehrwertsteuer um 20% angehoben wird, und Staatseinnahmen und -ausgaben gleichzeitig sinken, ist es klar, dass Essen gehen oder in den Urlaub fahren für weite Teile der Bevölkerung unmöglich wird.

Ich sehe deshalb keinen Sinn darin, die nicht demokratisch legitimierte, oft der Erpressung und Verletzung der griechischen Verfassung beschuldigte Troika dazu anzustacheln, die Sparmaßnahmen auszudehnen. Zumal die Ursachen der Krise einerseits die in Zusammenarbeit u.a. mit Goldman Sachs gefälschten Zahlen für den Eintritt in den Euro, andererseits die durch den Börsencrash nötige Bankerrettung waren. Durch diese Maßnahme erhöhten sich die Staatsschulden natürlich erneut drastisch, wodurch die zuvor unrealistisch niedrigen Zinsen für neue Kredite nun ins unermessliche stiegen. Dadurch war das Land auf Geld von der Troika angewiesen, welches zu 77% direkt in den Finanzsektor floss, um vorwiegend deutsche und französische Banken und Investoren zu bedienen. Doch erst nach der Umsetzung der geforderten Austeritätsprogramme, begann der wahrhafte Zerfall der griechischen Wirtschaft. Kein neuer Kredit und keine neuen Sparmaßnahmen konnten diesen Kreislauf durchbrechen.

Wenn keiner deiner Wege zum Ziel führt, muss vielleicht einen neuen gehen.

Das wirkliche Problem der Troika ist ihr ausschließlich Neo-liberales Denken. In Zeiten in denen fast täglich neue Enthüllungen über abgehörte europäische Parlamente und Präsidenten durch die U.S.A. ans Licht kommen, ist es vielleicht nötig, sich von diesem vermeintlichen Freund etwas unabhängiger zumachen. Und den Traum vom vereinten Europa außerhalb der Wirtschaft zu denken. Der EZB hält die Zinsen auf einem historischen Tief. Nun wäre der ideale Zeitpunkt um im Land der Akropolis und der Amphitheater ein europäisches Zentrum für Film, eine europäische Universität mit Weltruf, eine europäische Plattform des Austausches zu erschaffen. Statt Hollywood und Yale. Denn letztendlich waren es nie wirtschaftliche Gründe, die zwischen Menschen langfristig ein Miteinander schaffen. Sie zerspringen im Augenblicken der Not. Doch ein Lob der ideelen Gemeinsamkeiten kann wahre Brüderlichkeit zwischen den Völkern wecken. Und wenn diese ein Mal erwacht ist, ist sie in Krisenzeiten stärker denn je.

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