Arbeiten neu denken

Je mehr ich mich mit dem Handwerk beschäftige, desto mehr wächst mein Respekt für die Menschen ihr Leben damit verbringen, die Welt mit ihren Händen zu verbessern. Ich arbeite seit einigen Monaten in der Backstube, helfe Schreinern und versuche so viel wie möglich selbst zu produzieren. Dazu gehören keineswegs nur ein paar Handgriffe. Wer ein Schuppen bauen will, muss ihn bis ins letzte Detail durchgeplant haben bevor er auch nur den ersten Schnitt macht. Für ein gelungenes eigenes Brot braucht man Kenntnisse der Biologie, Chemie und Physik, um genau den Verlauf des Teiges beurteilen zu können.
Handwerker brauchen Köpfchen und Händchen, wenn sie gute Arbeit machen wollen. Und es gibt keinen schöneren Moment, als die Früchte der eigenen Arbeit zu sehen.
Kurz um: Handwerker haben jeden Tag, was vielen Menschen im Alltag fehlt, Bewegung und Bestätigung. Das Gehalt dagegen ist meist unverschämt, wenn man bedenkt, wie stark der Körper durch die ewig gleiche Arbeit belastet wird. Mehl löst nach und nach den Zahnschmelz auf. Die Arbeitszeiten von zwölf Uhr nachts bis zwölf Uhr mittags sind schwer mit Sozialleben vereinbar. Die ständige Hitze in der Backstube ist schlecht für die Lunge. Schreiner haben wegen den lauten Maschinen oft Gehörschäden. Landwirte haben in der konventionellen Produktion keinen Urlaub.
In der Bilanz bietet das Handwerk Bestätigung durch Arbeit mit sofortigem Ergebnis, Wissen, Bewegung, Feingefühl. Nachteile sind jedoch schlechte Bezahlung und große Beanspruchung der Gesundheit.
Warum nicht die Vorteile beider Arbeiten verbinden, am Schreiner- und am Schreibtisch? Die Idee nenne ich erstmal duales Arbeiten. In Zeiten von Tandemploy und anderen Jobsharing-Angeboten ist es längst möglich mit einem halben Job im Büro seinen Intellekt zu fordern und die Geldbörse zu füllen. Warum dann nicht auch die körperliche Seite sinnvoll auslasten statt Geld und Energie im Fitness-Studio zu verbrennen.
Den Respekt anderen gegenüber sollte man sich immer bewahren. Aber ist es nicht auch wunderschön, sich selbst respektieren zu können?

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