Das Mindeste!

Nehmt die Lebensgeschichte von so ziemlich jedem großen Künstler, Vordenker und Genie. Keine ist einfach. Viele, wie Van Gogh, waren ihrer Zeit voraus, konnten nichts verkaufen, und mussten sich in bitterer Armut damit trösten, dass sie ihren Traum leben. Andere, wie E.T.A. Hoffmann und Franz Kafka, arbeiteten tagsüber, um des Nachts ihre Werke zu perfektionieren. Manche hatten wie Karl Marx das Glück einen Geldgeber zu finden, der sie in ihrem Tun unterstütze.
Man könnte jetzt natürlich anführen, dass ein wahrer Künstler diese Leiden auf sich nimmt, um seiner Leidenschaft nach zu gehen. Es stellt sich aber die Frage, ob wir in Zeiten des fast schon ekelerregenden Überflüsses noch Leid brauchen, wenn doch mehr als genug für alle da ist. Man könnte auch argumentieren, dass man ja durch Kredite bei der Bank, Stipendien oder Crowdfunding heutzutage leicht seine Ideen verwirklichen kann. Doch diese Möglichkeiten hätten Van Gogh kaum geholfen, denn sie unterstützen nur Projekte, die sich verkaufen oder vielen Menschen gefallen; beides Bedingungen, die die Werke des Holländers zumindest zu seinen Lebzeiten nie erfüllten. Und ich glaube keiner von uns meint, reiche Freunde sollten der Weg zur Freiheit sein.

Ich glaube, dass langfristig die Gesellschaft am erfolgreichsten sein wird, die ihren Bürgern die meisten Anreize zur Eigeninitiative gibt.

Der freie Markt hat sich deshalb gegenüber der Planwirtschaft durchgesetzt, weil er dezentral dem Individuum Freiheit gibt, Probleme auf kreativen, stehts sich entwickelnden Wegen zu lösen. Nein, das ist nicht ganz richtig: Der Markt gibt diese Freiheit nur Personen, die entweder über genug Eigenkapital verfügen oder eine Idee haben, die sich verkaufen lässt. Projekte, die keiner bezahlen kann, will oder sollte (Integration von Flüchtlingen, Online-Journalismus, jede Art von nicht-kommerzieller Kunst, Bildung), müssen von Staat übernommen werden oder werden vergessen, was zu lösenden Problemen nie gut tut. Wir haben seit einem Jahrhundert Arbeitslosigkeit. Das nichts anderes heißt, als dass der Markt die „verwertbaren“ Aufgaben so effizient lösen kann, dass einige Menschen sich mit anderen Themen auseinandersetzen können, die zwar nicht verwertbar sind, aber doch einen Wert für uns alle haben.

Stellt Euch vor, wohltätige Projekte müssten nicht die Hälfte ihrer Zeit mit Spendeneintreiben und Anträgeschreiben vergeuden. Stellt Euch vor, Musiker, Schriftsteller und Journalisten könnten dank dem Internet ihre Arbeit allen kostenlos zur Verfügung stellen, ohne selbst darunter zu leiden. Stell Dir vor, was Du tun könntest, wenn Du Dir keine Sorgen um dein Einkommen machen müsstest. Stell Dir vor, wir hätten Bedingungsloses Grundeinkommen!

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Arbeiten neu denken

Je mehr ich mich mit dem Handwerk beschäftige, desto mehr wächst mein Respekt für die Menschen ihr Leben damit verbringen, die Welt mit ihren Händen zu verbessern. Ich arbeite seit einigen Monaten in der Backstube, helfe Schreinern und versuche so viel wie möglich selbst zu produzieren. Dazu gehören keineswegs nur ein paar Handgriffe. Wer ein Schuppen bauen will, muss ihn bis ins letzte Detail durchgeplant haben bevor er auch nur den ersten Schnitt macht. Für ein gelungenes eigenes Brot braucht man Kenntnisse der Biologie, Chemie und Physik, um genau den Verlauf des Teiges beurteilen zu können.
Handwerker brauchen Köpfchen und Händchen, wenn sie gute Arbeit machen wollen. Und es gibt keinen schöneren Moment, als die Früchte der eigenen Arbeit zu sehen.
Kurz um: Handwerker haben jeden Tag, was vielen Menschen im Alltag fehlt, Bewegung und Bestätigung. Das Gehalt dagegen ist meist unverschämt, wenn man bedenkt, wie stark der Körper durch die ewig gleiche Arbeit belastet wird. Mehl löst nach und nach den Zahnschmelz auf. Die Arbeitszeiten von zwölf Uhr nachts bis zwölf Uhr mittags sind schwer mit Sozialleben vereinbar. Die ständige Hitze in der Backstube ist schlecht für die Lunge. Schreiner haben wegen den lauten Maschinen oft Gehörschäden. Landwirte haben in der konventionellen Produktion keinen Urlaub.
In der Bilanz bietet das Handwerk Bestätigung durch Arbeit mit sofortigem Ergebnis, Wissen, Bewegung, Feingefühl. Nachteile sind jedoch schlechte Bezahlung und große Beanspruchung der Gesundheit.
Warum nicht die Vorteile beider Arbeiten verbinden, am Schreiner- und am Schreibtisch? Die Idee nenne ich erstmal duales Arbeiten. In Zeiten von Tandemploy und anderen Jobsharing-Angeboten ist es längst möglich mit einem halben Job im Büro seinen Intellekt zu fordern und die Geldbörse zu füllen. Warum dann nicht auch die körperliche Seite sinnvoll auslasten statt Geld und Energie im Fitness-Studio zu verbrennen.
Den Respekt anderen gegenüber sollte man sich immer bewahren. Aber ist es nicht auch wunderschön, sich selbst respektieren zu können?

5 gute Gründe zu teilen!

Ich verstehe mich nicht als Idealisten. Natürlich habe ich, wie jeder von uns, meine Vorstellungen von einer besseren Welt. Aber um zu dieser zu gelangen, vertraue ich doch lieber auf Methoden die funktionieren bzw. funktionieren könnten. Deshalb sind hier 5 pragmatische Gründe, warum es Zeit ist zu teilen:

Die Waage halten

1. Bevölkerungswachstum: Das Prinzip ist relativ simpel. Wenn Eltern davon ausgehen müssen, dass 20% ihrer Kinder sterben, werden sie aus völlig logischen Gründen mehr bekommen. Ganz besonders wenn diese Nachkommen wegen mangelnder Altersversicherung später für ihr Überleben sorgen müssen. Dieser interessante Mann hier erklärt das aber tausend Mal schöner als ich.
Wenn wir also versuchen wollen, das Bevölkerungswachstum auch nur etwas zu stoppen, müssen wir die Realität der extremen Armut für mehrere Milliarden Menschen dieser Erde beenden.

2. Klimaschutz: In den Extremen von Reichtum und Armut finden sich einige der Gründe für die massive Umweltzerstörung unserer Zeit. Ob es der nie enden wollende Konsum des globalen Nordens ist oder die in weniger reichen Teilen der Erde verbreiteten und verheerenden Produktions- und Abbaumethoden, weil bezahlbare Alternativen fehlen.

3. Glück: Materieller Reichtum macht einfach nicht glücklich. Man kann rationalen Fakten oder religiösen Führern glauben. Oder einfach selbst sein Glück unabhängig vom Geld zu finden.

4. Gesellschaft: Wieder ein schöner Ted Talk. Wenig überraschend, ist es besonders angenehm in einer Gesellschaft zu leben, in der alle ähnlich gut gebildet sind und sich alle gleich viel wert fühlen. Ist ja auf Partys nicht anders.
Griechenland ist nicht trotz, sondern wegen der massiven Austeritätspolitik noch immer in einer schweren Krise, die tausende Menschen in den Suizid treibt. Wenn jedoch 66% des Reichtums des Landes in den Händen von nur 10% der Menschen liegt, ist das wenig verwunderlich. Denn wer nichts hat, kann nichts kaufen.

5. Flüchtlinge: Heute führen wir eine Diskussion darüber, ob und wie wir Flüchtlinge aufnehmen, was ich schon ganz schön stark finde, wenn man bedenkt, weshalb diese Menschen ihre Freunde und Familie zurücklassen mussten. Europäischer Fischfang vor den Küsten Senegals, der Biotope verwüstet und Menschen ihres Einkommens beraubt; deutsche Waffenlieferungen, an dubiose Staaten wie Saudi-Arabien, die teils beim IS landen; Überschwemmung von afrikanischen Märkten mit billige Geflügel. Wir berauben Milliarden Menschen ihrer Existenz und wundern uns, wenn sie dann zumindest etwas   zurückwollen.
Die Debatte ist einfach nur traurig. Vor allem, weil sie das eigentliche Ziel aus den Augen verliert: Wie schaffen wir es, dass Menschen nicht dazu gezwungen werden, alles zu verlassen, was sie lieben?

Wir brauchen mehr Verteilung, weil wir alle davon profitieren. Nicht nur der Nehmende, sondern besonders auch der Gebende.  Dann schreit natürliche die altbekannte Fraktion wieder auf „Aber der Staat ist so ineffizient.“ Natürlich ist er das. Umverteilung braucht auch keinen Staat. Japan ist ein herrliches Beispiel für ein Land in dem Unternehmen von sich aus das Einkommen der verschiedenen Mitarbeiter angleichen. Zudem gehört solidarische Landwirtschaft dort seit Jahrzehnten zur alltäglichen Realität von 3/4 der Bevölkerung. Statt mit einem Staat Ungleichheit abzuschwächen, sollten wir viel eher die Mechanismen verändern, die Ungerechtigkeit schaffen.
Miete: Braucht jemand, der genug Geld hat, ein Haus zu kaufen, als Belohnung ein extra Einkommen?
Massenrabatte: Sollten wir mit einem Kartellamt Monopolisten verbieten den Markt zu verzerren? Oder sollten wir lieber kleine Läden unterstützen, um gar nicht erst unsere Abhängigkeit großer Ketten selbst zu erzeugen?

Ich bin Realist, weil die reale Welt so schön ist.

Ich sehe täglich Menschen, die sich helfen, die gutes wollen. Wenn am Ende so eine verquere Welt dabei heraus kommt, sind wir wohl den falschen Idealen hinterher gelaufen.

Wir gegen Die

Wahlkampf in Österreich: „Der Spruch „Neue Wohnungen statt neuer Moscheen“ kam offenbar gut an, obwohl in der Steiermark keine Moschee steht und auch keine geplant ist.“
Rechtspopulisten legen in diesen Tagen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, den Niederlanden, Schweden und Dänemark. Gemeinsamer Kern dieser Bewegungen ist die angebliche Islamkritik. Natürlich hat der Islam, wie jede andere Religion oder Wertegemeinschaft durchaus kritikwürdige Punkte. Doch die aktuelle Argumentation ist so wirr und irrational, dass ich sie hier auf ein paar Fakten runter brechen will. Denn auch wenn Pegida und AfD durch den Selbstfokus ihrer Anführer zerbröckeln, bleiben viele ihrer Idee doch weit verbreitet.

Wir hören viel von der angeblichen Unvereinbarkeit der christlich-jüdischen Kultur des Abendlandes mit dem muslimischen Glauben. Dazu drei Anmerkungen:
1. Es gibt keine christlich-jüdische Kultur in Deutschland. Das jüdische Volk war seit je her im Abendland Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt, weshalb sich in allen Städten Europas jüdische Viertel bildeten. Diese würden heute sicher für manche als gefährliche Parallelgesellschaften gelten.
Der Zusatz „jüdisch“ ist genau wie das „Europäer“ in Pegida ein Versuch nicht all zu sehr nach bekanntem Nationalismus zu klingen.
2. Lessing hat den Protagonisten seines berühmten Werkes „Nathan der Weise“ zum Juden erklärt, da er davon ausging, dass man die Toleranz des Islam nicht mehr beweisen brauche, da dieser ja alle anderen Religionen als gleichwertig anerkennt.
3. Beschwerden über angeblich so unchristliche Bräuche wie das Tragen eines Kopftuchs werden durch ein mal „Jungfrau Maria“ googlen ad absurdum geführt.

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4.Wenn wir wirklich ein Problem mit dem Islam hätten, dann wäre ein Konflikt mit Indonesien, Pakistan oder Indien logisch. Das sind nämlich die Länder mit den höchsten Anteilen an Muslimen in der Bevölkerung. Nur eine kleine Minderheit der Muslime (Ich glaube 20%, aber ich finde die Quelle nicht mehr) lebt in der arabischen Welt. Außerdem definiert sich ein Muslim/ eine Muslima über das Glaubensbekenntnis, das Gebet, Fasten, eine Reise nach Mekka und Spenden an die Armen. Alles Dinge, die mir nicht unvereinbar mit der hiesigen Kultur scheinen. Es wird also klar, dass der Konflikt ein politisch-geographischer ist.

Natürlich verursacht Migration Probleme, wie auch Migration durch Probleme verursacht wird. Diese Probleme entstehen teilweise durch die europäische Ausbeutung von Mensch und Natur, aber auch durch das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Selbstverständlichkeiten, denn nichts anderes sind Kulturen. Lösungen müssen also mit Umverteilung beginnen und diese an die Eröffnung neuer Denkweisen ketten. Wie diese Lösungen genau aussehen werden, ist ungewiss und lässt sich nur in vielen, liebevollen Versuchen herausfinden. Eines ist jedoch sicher: Die Lösung ist nie „Wir gegen Die“.