Was Freiheit heißt

Seit den Regierungen Pinochet, Thatcher und Reagan hat sich in der internationalen Politik der Neo-Liberalismus durchgesetzt. Insgesamt 150 Staaten haben seit dem in Zusammenarbeit mit IWF und anderen internationalen Finanzinstituten Reformen zu Deregulierung des Marktes umgesetzt (Hier eine Analyse am Beispiel Argentiniens). Der sich selbst als liberal bezeichnende Ökonomie-Professor der Uni Linz Walter Ötsch führt jedoch an, dass rein logisch eine Deregulierung nicht möglich ist. Möglich ist nur, Regel A durch Regel B zu ersetzen. Unter Deregulierung versteht sich also nichts weiter als die Umregulierung nach Willen und Bedarf des Marktes. Welche Regeln der Markt für die ewig ersehnte Freiheit und Effizienz braucht, so Ötsch weiter, wird nie auch nur in Ansätzen erklärt. Eher wird Einschränkung einer Abstrakten Freiheit im metaphorischen Sinne beschrieben.
Generell hat die Wirtschaftsschule von Friedmann und Hayek viel mehr philosophische, ja fast schon thematische Elemente, als man so glauben mag. So wird der Markt, auf Grund seiner  beeindruckend schnelle und effiziente Informationsverarbeitung, als nicht von einem menschlichen Geist erfassbar und schon gar nicht analysierbar beschrieben. Das ist witzig, 1. weil diese Behauptung von Menschen verbreitet wird, die ihren Unterhalt mit Wirtschaftsanalyse verdienen und 2. weil diese Auffassung extrem der Beschreibung Gottes vor der französischen Revolution erinnert: ein für Menschen nicht begreifbares, übermächtiges Wesen. Wer es hinterfragt, maßt sich etwas an und bringt die Allgemeinheit in potenzielle Gefahr.

Nun sind Freiheit und Effizienz natürlich von uns allen hoch geschätzte Güter. Doch sind die Definitionen der zwei Begriffe fundamental wichtig für die Umsetzung im System: Für Mises und seine Nachfolger ist Freiheit alles unternehmen zu können, solang es nur den derzeitigen wirtschaftlichen Prinzipien folgt. Aus meiner Sicht als (noch) Schüler gesprochen: Jede Antwort, die zu einer Lösung führt, ist gültig. Nun ist eine richtige Antwort natürlich viel wert, doch viel entscheidender ist die gestellte Frage. Derzeit müssen wir unser wirtschaftliches Denken daran orientieren, was marktkonform ist. Das heißt, vielen Mittelständischen oder wenigen Reichen gefällt. AIDS-Medikamente für eine Millionen Südafrikaner zu produzieren oder das vorhandene Essen für ca. 14 Milliarden Menschen zu verteilen, fällt nicht in diese Kategorie. Wer das nicht versteht, ist nach Hayek ein von steinzeitlichen Gefühlen geleiteter Kommunist.

Nun, vielleicht ist es einfach Zeit für neue Definitionen der Schlagwörter unserer Zeit:

Freiheit heißt, sich eigene Fragen stellen und nach eigenen Antworten handeln zu können.
Konkret heißt das, sich mit Problemen befassen zu können, obwohl sie wirtschaftlich betriebswirtschaftlich nicht rentabel scheinen.

Flexibilität heißt, dass die verschiedenen Beiträge zum Gemeinwohl allesamt anerkannt werden.
Kinder- und Altenpflege können angesichts der demographischen Entwicklung nicht weiter systematisch benachteiligt werden.

+ Freier Handel ist, ein Austausch, der für beide Seiten von Vorteil ist und trotz existierender Alternativen geschieht.
(Antonym: Ausbeutung) Freihandelsabkommen müssen sich also eine Befreiung der Kleinbauern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas zum Ziel haben, nicht der Ausbau ihrer Abhängigkeit von Großkonzernen. 

+ Privatisierung heißt, die für die Allgemeinheit entstehenden Kosten aller Handlungen auf das agierende Individuum zu übertragen. 
Konzerne, die z.B. Grundwasser verschmutzen, müssen mindestens 100% der Reinigungskosten tragen.

+ Arbeit ist das menschliche Handeln, dass mit Geld vergütet werden muss, weil es nicht aus freien Stücken passiert.

Nach dem berühmten Sprichwort, sollte man jedem das Fischen beibringen, Unabhängigkeit verschaffen, um sich selbst und andere von unnötiger Arbeit zu befreien. Ein Fischer verdient jedoch im heutigen System nicht, wenn alle Fischen können. Er hält Informationen zurück und kreiert künstliche Abhängigkeit. Künstlich sind auch Ideen wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Hier wird praktisch Lebenszeit verbrannt.
Der Mensch muss versuchen, sich im höchst möglichen Maße von Arbeit zu befreien. So kann er Tätigkeiten vollstrecken, zu der er keine finanzielle Vergütung braucht.

+ Investitionsschutz meint den höchstmöglichen Schutz der Gesundheit von Menschen und Biotopen

Güter, die das menschliche Leben und damit jegliches Wirtschaften erst möglich machen, sind schätzenswerte Investitionen.

+ effizient ist der Mensch, der die Welt besser macht und dabei glücklich ist.

Die Liste ist noch lang nicht zu Ende. Hier ist ein für alle offenes Dokument. Mal sehen, was entsteht, wenn wir zusammen die Grundideen neu denken.

Advertisements

Meine Zeitmaschine

In Search Of Lost Time

Ich glaube jeder hat schonmal davon geträumt: eine Zeitmaschine, die es einem erlaubt, an einem einzigen Tag mehr  zu tun, mehr zu helfen, mehr zu erleben. Viele von uns versuchen dies durch konsequenten Schlafmangel zu kompensieren, andere putschen sich mit Drogen aller Farben und Formen auf. Ich glaube eine gesunde und legale Alternative gefunden zu haben: das befreite Haus, von dem ich schon erzählt habe. Was ich jedoch noch verheimlicht habe, ist, dass es sich dabei nicht nur bloß um ein Haus handelt, sondern zudem um eine Zeitmaschine. Ich will das kurz am Beispiel von Berlin erklären: Mittlerweile kosten neue vermietete Wohnungen in selbst unbeliebten Gegenden um die 1000 Euro. Das durchschnittliche Einkommen liegt bei 18,70€ in der Stunde. Das heißt, dass ein jeder Berliner in etwa 50 Stunden seines Monats allein für seine Wohnung investiert. Das sind fast zwei ganze Stunden am Tag. Meine Zeitmaschine reißt kein Loch in das Raum-Zeit-Kontinuum und doch hätten die Bewohner des befreiten Hauses einen 26-Stunden-Tag. Da fängt man an zu träumen. Tatsächlich können wir uns, wenn wir es wirklich wollen, ein Traumschutzreservat im Herzen der Stadt errichten. Wir alle hatten mal Hoffnungen, Ziele, Träume, die wir in einer Schublade beerdigten, als es daran ging, irgendwie die Miete zusammen zu kriegen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir Menschen keine Arbeit brauchen: Ein jeder von uns trägt eine Leidenschaft in sich und mit dem nötigen Raum verfolgen wir unser eigenes Ziel mit mehr Schweiß und Herzblut als es in irgendeinem Job auch nur möglich wäre. Eine bessere Lösung für Probleme wie Burn-out und unproduktive Mitarbeiter habe ich noch nicht gefunden. Also worauf warten wir? Schaffen wir uns diesen Freiraum! Schaffen wir uns ein Haus der Träume, eine Zeitmaschine. Es ist Zeit für mehr Zeit!