Ganz schön kompliziert, dieser Frieden!

Ein Graffiti auf einer kreuzberger Toilette hat es wieder mal auf den Punkt gebracht. Unter dem flackernden Neonlicht zwischen Tags in tausend Farben und „Refugees rein, Nazis raus“-Stickers ein stilles Wortgefecht über Weltpolitik:

Free Gaza from Hamas

Israel

Hamas + fight antisemitism

Das gleiche Ausmaß an Kommunikation zeigte sich zwischen der Pro Palästina-Demo und der Gegenveranstaltung, die ich beobachtend mit einem Freund besucht habe. Fahnen und schlecht gereimte Parolen. Syrien, Iran und Palästina wehten auf der einen -, ein Meer von Israel- Wimpeln, mit einer einsamen Antifa-Standarte, versehen auf der anderen Seite. Alle Sprechchöre zielten darauf ab, die jeweils anderen als Faschisten und Terroristen zu diffamieren. Die Menschenketten und Ermahnungen, den friedvollen Sinn der Zusammenkunft nicht zu vergessen, der Freunde Palästinas und ein geschätztes Polizist-Demonstrant-Verhältnis von zwei zu eins sorgen für einen geschmeidigen Ablauf ohne besondere Vorkommnisse. Und doch verstand ich diesem Moment,  was der Ausdruck „Die Luft brennt“ veranschaulichen soll. Der Dialog zwischen den Fronten tendierte gegen null. Das gemeinsame Ziel, ein Stop des sinnlosen Mordens, schien nämlich ferner den je. Ich konnte nicht anders als an das bekannte Stockholm-Syndrom zu denken: zwei Völker werden auf Grund von Organisationen, die unter ihnen wohnen, beschossen und fühlen sich ihnen deshalb verbunden. Das obwohl das Ansehen der Hamas in den letzten Jahren stetig gesunken ist und auch tausende Israelis ihre Söhne, Töchter, Brüder, Schwestern und  FreundeInnen nicht an diesen Krieg verlieren wollen. Auf einmal sind die Fronten wieder klar und es muss gekämpft werden, obwohl alle wissen, dass es im Krieg keine der Seiten gewinnt . Gewinner ist allein eine extremistische Minderheit beiderseits, die Hass schürt und diesen für sich ausnutzt. Verlierer sind mittlerweile mehrere hundert Menschen. Wer wie schuldig ist, spielt keine Rolle. Alle dieser Opfer hatten Familie und Freunde. Vor allem aber kann keiner der Opfer sagen für etwas sinnvolles gestorben zu sein. Denn wie irgend ein weißer Mensch mal sagte: der einzige Weg Terrorismus zu bekämpfen ist nicht mehr an ihm teil zu nehmen!

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