Mensch, Mensch, Mensch!

Plitsch, Platsch leckt das Wasser in ewigen, rhythmischen Bewegungen am Ufer des Wannsees. Ein paar Fische suchen in aller Seelenruhe nach Futter, Seerosen schwingen im Takt. Unmöglich sich vorzustellen, dass einem so friedlichen Ort in 90 Minuten eine der grauenvollsten Entscheidungen der Menschheitsgesichte getroffen wurde. Es war eine komische Stimmung im Haus der Wannsee-Konferenz.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass alle von uns geschockt waren, auch wenn viele sich zu „cool“ fühlten, um es zu zeigen. Auch ist wohl jedem von uns klar, dass wir nichts mit den Menschen verbindet, die diese Verbrechen zu verantworten haben. Wir wurden innerhalb der selben Grenzen geboren, sprechen die selbe Sprache. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch auf.
Wenn ich nun jetzt jemanden frage, warum er nun jetzt ein stolzer Deutscher sei, so kommt immer wieder der Aspekt der „Dichter und Denker“. Ich bin nur stolz auf meine eigenen Leistungen. Und trotzdem: Mir ist es unverständlich, wie man auf Goethe und Schiller stolz sein kann, ohne im gleichen Maß die Gräueltaten der Nazis zu sehen. Wenn man also aus allen Taten der „Deutschen“ Bilanz zieht, kommt diese auf keinen Fall bei Null raus. Das Einzige, was mich zum Germanen macht, ist meine Sprache. Mehr verbindet mich nicht mit dem Volk. Und meiner Meinung nach ist es auch ganz gut so.
Viel lieber bin ich stolz darauf Mensch zu sein. Die Fahne, die Armstrong einst für die U.S.A auf dem Mond hisste, ist nun weiß wie Schnee. Und so ist es mit allen Dingen. Völlig irrelevant ist es, wer aus welchem Land eine Errungenschaft brachte. Am Ende bleibt nur der Mensch und was er geschafft hat. Und zwar gemeinsam.
Plitsch, Platsch schwabt das Wasser und verbindet alles Leben.

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Real Brasil

Proteste in Brasilien von allen Geschlechtern und Altersgruppen
Proteste in Brasilien von allen Geschlechtern und Altersgruppen

Ein kurzer Blick in den Fernseher zeigt: Samba-Chips, Samba-ElektronikSamba-Autos. Ob in der Werbung oder in Fußballspielen, immer wieder wird ein Bild von „den Brasilianern“ gezeichnet. Obwohl natürlich klar ist, dass dies, wenn man allein die 11 Männer der Nationalmannschaft betrachtet, ungefähr so genau ist, wie die Vorstellung vieler Inder, alle Europäer seien langhaarige Hippies mit komischen Klamotten, weil so der Hauptanteil der Besucher aussah. Also dachte ich mir, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal nachfragen. Hier ein kleines Interview mit einem Freund von mir, José, der mit mir zusammen in Argentinien war… ach ja und auch aus Brasilien kommt: Was sollte die Welt über Brasilien wissen?

Ich will, dass man über Brasilien weiß, dass es ein Land ist, wo die schlechte Verteilung des Einkommens vielen schadet, die hier leben. Im Zusammenhang mit der WM wurde viel Geld ausgegeben und noch viel mehr von der Präsidentin eingesackt. Schon vor dessen Anfang wurden täglich auf der Straße von Río de Janeiro und Sao Paulo Proteste ausgetragen, bei denen das Volk gefordert hat, dass Dilma  zurück treten soll. Niemandem hier hat es gefallen, dass Brasilien die WM austragen sollte, weil so das Geld in all das floss, obwohl es für Bildung oder das Gesundheitswesen hätte eingesetzt werden können. Wir konnten in den derzeitigen Konditionen  kein Event von solch finanziellem Ausmaß annehmen. Im Fernsehen wird all das, was ich erzähle natürlich nicht gezeigt. Sie zeigen lieber ein überglückliches Land, dass für Brasilien jubelt. Und mir persönlich gefällt es sehr, dass trotz der ganzen Sachen, von denen ich erzähle, das brasilianische Volk weiter eine starke Liebe für sein Land empfindet. Und obwohl es nur für diese WM sei, macht es mich dennoch glücklich.

Was sind Sachen, die du an Brasilien nicht ausstehen kannst?

Es gefällt mir überhaupt nicht, dass soviel Geld für etwas ausgegeben wird, dass in einem Monat schon vorbei ist, wenn ich mich nicht irre. Sowohl das Gesundheitswesen als auch die Bildung dieses Landes sind sehr schlecht und genau dieses Geld wäre für diese grundlegenden Bedürfnisse besser aufgehoben, die ja jeden Land braucht. Hier gibt es sie zwar, sehr gut funktionieren tun sie leider nicht.

Was ist das typische brasilianische Gericht?

Das hängt von jeder Familie ab, glaube ich. Aber die große Mehrheit der Brasilianer trinkt Bier, glaube ich. Das typische Essen gibt es nicht, aber ein kleines Bier als Aperitif gibt es überall.

Eins muss ich noch wissen: Wer gewinnt die WM?

Na Brasilien natürlich, aber das ist ja nichts neues.

Anmerkung: Ich habe weder nach einer politischen Einschätzung, noch nach sonst etwas ähnlichem. Ich wollte nur eine persönliche Meinung eines brasilianischen Teenagers zu seinem Land und habe diesen Text bekommen, den ich nur übersetzt habe. Die sofortige Beschreibung dieses Konflikts zeigt glaub ich gut, dass die Brasilianer besseres zu tun haben, als Salsa zu tanzen, weil „wir“ ihnen die WM geschenkt haben.

Photo credit: _ Alan de Souza _ / Foter / Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)

If you wanna keep it, you gotta let go!

Parov Stelar, Ohrbooten, K.I.Z, Seeed. Alles Bands, die ich machmal einen ganzen Tag lang rauf und runter höre. Alles Bands, von denen ich kein einziges Album besitze. Und trotzdem: allein weil sie im Internet verfügbar sind, verschönern sie meinen Tag immer wieder aufs neue und sind in meinen Erinnerungen untrennbar mit wunderschönen Momenten verknüpft. Und genau deswegen war es keine Frage, dass ich diese Künstler auch live sehen muss. Überraschenderweise waren es auch unglaublich schöne Abende. Zugleich aber auch ein Gewinn für die Musiker.
Ich wünschte, ich könnte dies auch über Bands wie Blumentopf sagen. Eine coole Gruppe, die früher oft gehört habe. Aber als dann Youtube ihre Videos aus Angst vor der GEMA sperrte, verschwanden sie schnell aus meinem Gedächtnis. Ob sie irgendwann mal in Berlin gespielt haben? Ich weiß es nicht. Es wäre bestimmt ein weiterer schöner Abend dabei raus gekommen, wie auch ein Profit für Künstler und Label. Ich habe, wie viele andere sicher auch, einfach angefangen andere Musik zu hören.

Was ich sagen will ist, dass die Labels nicht versuchen sollten, ihre Macht gegenüber den Hörern auszuspielen, weil sie sich damit ins eigene Fleisch schneiden. Denn im Medium Internet, wo das Angebot an nicht-matriellem praktisch unendlich ist, zieht die Verknappungstaktik nicht. Ähnlich wie die OPEC-Staaten, die durch Ölverknappung sich höhere Gewinne versprachen, aber nur mehr Unabhängigkeit von ihren Exporten schufen, können die Labels nicht mehr allein auf ihre Größe bauen. Milky Chance ist ein erstklassiges Beispiel für Stars, die sich mit den heutigen Möglichkeiten selbst in den Himmel katapultieren ohne auf irgendjemanden angewiesen zu sein. Und je sturer die Konzerne sich gegen den freien Zugang zur Musik stellen, desto unbedeutender werden sie am Ende sein. Vielleicht verstehen sie das ja noch bevor Blumentopf in den Ruhestand geht. Das fänd´ich super!

Doitschland und so

Letztens habe ich eine interessante Theorie gehört:

das relativ konstante Klima im Mittelmeerraum ermöglicht logischerweise eine dem entsprechend kontinuierliche Ernte. Hier unterscheidet sich das Wetter deutlich vom deutschen, bei dem man historisch gesehen im Herbst immense Vorräte ansammeln musste, um den Winter überleben zu können. Folglich sei die südeuropäische Mentalität darauf ausgelegt, nur so viel wie nötig zu produzieren, wohin gegen der Deutsche eine der Geschichte zuzuschreibende unbeugsame Arbeitsmoral aufweist.

Macht Sinn: das Wetter da ist immer gut, die Wirtschaft bei uns ist gut. Kleiner Fehler nur: jetzt ist die Wirtschaft bei uns tragfähig. Weltwunder wurden in Afrika und Asien schon gebaut, als „wir Deutschen“ noch Probleme damit hatten Feuer zu machen. Genauso steht „unsere“ Demokratie unter dem Copyright der ach so faulen Griechen. Und obwohl die Arbeitsmoral der Deutschen auf Mallorca gegenteiliges vermuten lässt, waren auch Spanien und Portugal mal die dominierenden Weltmächte (auch lange bevor sie andere Völker unterwarfen). Das Wetter war meines Wissens nach damals trotz Klimaerwärmung nicht wesentlich anders.

Auch höre ich oft, dass wir ja das Volk der Dichter und Denker sein. Ein wirklich sehr schöner Begriff, eine Alliteration. Außerdem fühlt sich jeder dadurch gleich ein wenig poetischer. Apropos Poesie ist übrigens auch griechisch. Und dass die meisten Dichter, die wir kennen, Deutsch sprechen, liegt wahrscheinlich hauptsächlich daran, dass wir in der Schule mehr Lyrik in Deutsch als in Spanisch, Englisch etc. durchgenommen haben.

Und wenn irgendjemand erklären will, dass die Gespräche, die dieser jemand selbst mit „Südländern“ geführt hat, nicht auf dem intellektuellen Level eines Dichter und Denkers war, dann kann es vielleicht auch sein, dass entweder die Sprachkenntnisse eines Gesprächspartners nicht ausreichten oder dass der Südeuropäer selbst davon ausgeht mit debilen Deutschen keine anständige Konversation führen zu können.
Wir sehen also: Theorien über Kulturen sind manchmal interessant, aber wenn man eine ganze Kultur beschreiben will, sollte man also auf die Menschen schauen, nicht auf den Himmel.

Ich sehe den wachsenden Nationalstolz Deutschlands sehr kritisch. Ich finde, wir können auf viele schönere Errungenschaften der Menschheit stolz sein.

Aber wenn ihr mich überzeugen wollt, dafür gibt es die Kommentare! =)