Einfach mal eine wahre Geschichte

Vogelzwitschern. Hunde, die auf der Straße vergeblich nach etwas essbarem suchen. Die Uhr zeigt 16:13 und langsam, bedächtig, fast schüchtern wacht die ganze Stadt aus der täglichen Siesta auf. Träger Dampf steigt aus dem mit Leder bezogenen Kürbis auf, aus dem wir das argentinische Nationalgetränk schlürfen: Mate. Nein, das ist nicht die Indi-Brause. Und es ist auch nicht nur ein mit heißem Wasser aufgekochtes Urwaldkraut. Der Mate ist der kleinste gemeinsame Teiler aller Argentinier. Er kann der Anfang einer Freundschaft sein, eine Versöhnung, ein Abschied. Geteilt wird dabei nicht nur das Getränk an sich, sondern Gedanken und Geschichten. Und so nimmt auch Denis einen langen Zug, in dem er sich kurz in der Nostalgie verliert, bevor von seinem ersten Freund erzählt.

„Wie lang wir uns kennen… Weiß ich garnicht mehr. Irgendwie seit immer.“ sagt er lachend und nimmt einen weiteren Schluck. „Wir waren die einzigen armen Kinder in einer relativ bonzigen Gegend.“ Mit strahlenden Augen erzählt er, wie sie ihre Häuser die einzigen Selbsterbauten in einer Reihenhaussiedlung waren. Ein unbeschreiblicher Ausdruck von Glück erfüllt sein Gesicht, als er von den unzähligen Nachmittagen erzählt, die sie beide vor der Sega vergeudeten. „Fifa“ bringt wohl Kinder auf der ganzen Welt zusammen.

„Samstag war immer Fußballtag. Unsere Alten haben uns immer angemotzt, dass unsere Schuhe doch so dreckig werden. Trotzdem haben wir jedes Wochenende das Selbe gemacht.“ Rebellisch, erzählt er, wären sie immer ein wenig zu lang draußen geblieben, weil Verstecken mit den Nachbarskindern natürlich nach dem Anbruch der Dunkelheit am spannendsten ist. Er schwärmt von den schlaflosen Filmnächten mit den unzähligen Bekannten von denen er jedoch nur wenige Freunde nennt. „So ist das halt. Besonders in so einem kleinen Dorf in dem wir lebten. Jeder kennt jeden, aber wirkliche Freunde…“

Nun wohnt sein Kindheitsgefährte in einer anderen Stadt und auch er ist in ein anderes Viertel gezogen. Doch auch wenn das Leben die Wege spaltet, kann keiner ihm diese vergoldeten Erinnerungen nehmen. Keinem von uns. Weltweit.

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