Hamburger Gerechtigkeit

Hallo Leute!
Kurz Pause eingelegt, jetzt geht’s gestärkt weiter!
Euer Joda!
Wir schlagen eine Schneise durch den Urwald aus exotischen Stoffen, bedanken uns bei der kleinen, etwas pummligen, indischen Verkäuferinn und treten hinaus in das sonnenerfüllte Hamburg. Wir sind im Schanzenviertel, etwa 300m von der berühmten Roten Flora entfernt und es ist alles friedlich an diesem 3.Januar. Ein paar Schäfchenwolken zieren den Himmel, alle warten artig auf Grün; nur ein paar zerbrochene Fensterscheiben zeugen von der landesweit gefürchteten Gewaltbereitschaft der linken Szene hier. Wir schlendern durch die Straßen und gucken in die Schaufenster: durchgestylte, recycelte 600€-Handtaschen direkt neben einem Plattenladen, der ausschließlich Punk- und Ska-Platten verkauft. Einer dieser Läden hat ein Loch in der Scheibe.

öffentliche Ausstellung- Sternschanze
öffentliche Ausstellung- Sternschanze

Der Kontrast Hamburgs fällt einem schon beim Eintreffen am Hauptbahnhof auf: Astronomische Kaufpreise grenzen an Asylantenzelte. Die Graffitis, die von der Polizei benannten „Gefahrengebiete“ zu hektargroßen, begehbaren Museum machen, scheinen sich an für uns unsichtbare Grenzen zu halten. Nicht weil die Sprayer die Reichen Bezirke fürchten, nein; weil sie ihre Kunst für sich behalten wollen. Die Rote Flora schien das Symbol dafür zu sein, dass diese Grenze aufrechterhalten werden kann, dass sie Staat und Gentrifizierung standhalten kann. Als sich nun die Spannung um diese verstärkte, kam es zur Eskalation. Aber über das „wie“ möchte ich nicht reden. Ich frage nach dem „warum“. Denn alle Gewalt, die in den letzten Tagen stattfand, war unnötig. Die Kunst, die alle Winkel der „Szenevierteln“ Hamburgs einnahm, hat mich überwältigt. Doch wieso kann dies keine Wanderausstellung sein? Ist es nicht genau der Charme der Streetart, dass sie nicht hinter einer Glasvitrine, sondern unter freiem Himmel und damit vergänglich ist? Und hat die Errichtung der „Gefahrengebiete“ der Sicherheit eines einzigen Polizisten geholfen, wenn doch tausende Gewaltbereite anreisten, um dies ja fast schon zu bekämpfen?
Benjamin Franklin sagte: „Wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird beides verlieren.“ Ich würde sagen: „Wer Andersdenkende mit Gewalt unterdrückt, feiert sich selbst. Und Selbstverliebte mag keiner!“
Quellen:
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