Tatort Deutschland

Hallo Leute!
Tut mir Leid, dass es gestern nichts gab. Dafür steckt im heutigen Artikel um so mehr Liebe drin.
Euer Joda!
Wie jeden Sonntag sitzen wir beisammen. Schokolade und Lakritz vor uns, wie es sich für einen echten „Tatort“ gehört. Wie immer sind Drehbuch und Action überschaubar. Es geht afrikanische Asylanten, die nach Europa wollen.
Doch eine Frage hält mich danach wach: „Wieso kommen die denn hierher?“

In der Schule lernen wir Zahlen, Daten und Fakten. Doch nie, was Menschen dazu bringt, Freunde, Familie, Heimat zurückzulassen, um eine lebensgefährliche Fahrt ins ferne Europa zu wagen? Dazu zwei Beispiele: Norwegen belegt in der Rangliste der reichsten Länder (HDI) Platz 1, Sambia den 164. Es gibt 187 Plätze. Norweger verdienen im Jahr ca. 100.000 US-Dollar, die Bewohner Sambias etwa 1.500.
Zwei komplett unterschiedliche Staaten? Eines haben sie jedenfalls gemeinsam: Ein gigantisches Vorkommen an Rohstoffen. Norwegen ist Platz 13 der Erdölförderer. Sambia Platz 12 der Kupferexporteure. Kleiner Unterschied: 70% die Gewinne Norwegens fließen in einen staatlichen Fond. Die Erlöse von Sambias Bodenschätzen gehen dagegen ins Ausland, vor allem in die Schweiz. Nach dem Einbruch des Kupferpreises war Sambia auf die Weltbank, den IWF und private Investoren angewiesen. Auf deren Anweisung hin verkaufte das südafrikanische Land seine Minen an internationale Unternehmen. Der IWF wird bestimmt von den Ländern mit dem größten Kapital, darunter Deutschland. Die Situation Sambias geht also auch auf das Konto des deutschen Staats, der deutschen Wirtschaft, die von den Niedriglöhnen in Afrika profitiert, und nicht zuletzt auch auf unser Konto, verursacht durch unser fast hemmungsloses Konsumverhalten.

Ich will hier niemanden verurteilen. (Das kann ich auch gar nicht. Ich tippe selber grade auf einem Computer mit Apfel.) Aber ich möchte an euch appellieren, beim nächsten Kauf nachzudenken, ob ihr dieses neue Handy wirklich braucht. Und vor allem, wenn es wieder heißt, dass „die“ was von „unserem“ Reichtum abhaben wollen, zu überlegen, woher dieser Wohlstand kommt.
Denn lasst mich eins gesagt sein: Auch ich will keine Flüchtlinge hier. Ich will Ausländer, keine Flüchtlinge. Ich will, dass Menschen in unser Land kommen, weil sie jemanden hier lieben oder vielleicht das Land selbst. Ich will nicht, dass sie hier sind, weil sie zuhause Hunger oder Verfolgen fürchten müssen. Oder gar kein Zuhause haben.

Doch da das nicht so schnell geschehen wird, sage ich: Mein Haus steht jedem Flüchtling offen. Und wir können gerne auch mal zusammen Tatort gucken.

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Philippinen Berlin

Hallo Leute!
Heute mal ein bisschen provokanter. Ich will halt einen Kommentar aus euch heraus kitzeln.
Viel Spaß beim Lesen!
Euer Joda!
Ein Taifun ungekannten Ausmaßes hat auf den Philippinen Tod und Zerstörung angerichtet. Das ist schrecklich! Deutschland hilft. Das ist gut! Deutschland ist ein Heiliger. Das ist eine Lüge! Denn es zeigt sich, dass wir nur die Auswirkungen bekämpfen, von dem was wir selbst verursachen. Im frischen Klima Report 2013 wird eine fehlende Hingabe zum Klimaschutz besonders in Europa bemängelt. Es werde zu wenig zu langsam getan. Und manche sagen, der Bericht gehe noch nicht weit genug.
Man sieht heutzutage deutlich sowohl in der Energiewende als auch bei Umweltkatastrophen wie auf den Philippinen eine fehlende Verknüpfung von Ursache und Wirkung. Energiewende: Gut. Katastrophen: Schlecht. Dass die Mehrzahl der Wissenschaftler sich einig ist, dass der Klimawandel die Anzahl und Intensität von Naturlaunen vergrößert, ist offenbar unwichtig. Dass die Energiewende ursprünglich angestrebt wurde, um solche Schrecken zu vermeiden, schein vergessen.
Wir steigen aus, weil wir aussteigen wollen. Doch jetzt, wo es darum geht, auch den Preis für diesen Wandel zu zahlen, fehlt es offenbar an Motivation. Und das ist ja auch klar, wenn Umweltschutz zum Selbstzweck geworden scheint. Wir müssen uns jedoch zurückbesinnen und erkennen, dass Unterstützung von Natur- und Armutsprojekten weder Geldverschwendung noch „Zusatzleistung“ ist. Jeder Cent ist eine notwendige und ergiebige Investition in die Zukunft und das Leben. Jeder Cent, den wir jetzt ausgeben, ist für kommende Generationen Gold wert. Jetzt einen Abwasserfilter einzubauen ist deutlich billiger, als irgendwann das ganze Meer zu sieben.
Vielleicht sollten wir mal überlegen, ob wir uns wirklich eine Standheizung ins Auto einbauen lassen und laufen lassen, bis es gar kein Eis mehr zum kratzen gibt.

Über Freiheit, Sicherheit und Wahrheit

Hallo Leute!
Ich schreib grade für unsere Schülerzeitung ganz viel über die Flüchtlingspolitik. Wenn ihr auch interessiert seid, reicht ein Kommentar!
Viel Spaß beim Lesen!
Euer Joda!
Die Streitfrage zwischen Sicherheit und Freiheit ist so alt wie die Menschheit selbst. Doch ist sie mit der NSA-Affaire aktueller denn je.
Der englische Premier Cameron appellierte an die „soziale Verantwortung“ von Journalisten, die Sicherheit und Stabilität im Land aufrecht zu erhalten. Er sieht diese durch die Enthüllungen des „Guardian“ gefährdet und drohte „härtere Maßnahmen“ anzuwenden falls weitere folgen.
Dafür wurde er in einem offenen Brief scharf angegriffen. Das Bündnis aus Organisationen, die sich für Freiheit der Medien, der Meinung und der Menschen einsetzen (darunter Freedom of the Press Foundation der USA, die Internationale Vereinigung für Menschenrechte FIDH und die Journalistenvereinigung Reporter ohne Grenzen) erklärte folgendes: die Reaktionen der britischen Regierung untergraben grundlegende Menschenrechte. Mitarbeiter des Geheimdienstes hatten die Journalisten des „Guardian“ aufgefordert Festplatten physisch zu zerstören auf denen geheimes Material gespeichert war.
Ich kann Camerons Besorgnis verstehen. Wenigstens schert er sich um die Sicherheit seiner Bürger. Doch gilt:

Ingeborg Bachmann
„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“

Wenn die Wahrheit die Sicherheit eines Landes gefährdet, muss man sich fragen, auf was diese Sicherheit gebaut ist.

Quellen:
verlinkt
taz.de
spiegel.de
heute.de