Rios Rebellen

Hallo Leute!
Wegen technischer Schwierigkeiten wurde die Sendung für 6 Wochen unterbrochen. Ich hoffe ihr habt mich nicht so stark vermisst. Ich euch schon.
Es geht jetzt schon bald wieder nach Deutschland. Wenn ihr noch eine vor-Ort-Reportage haben wollt, sagt jetzt bescheid.
Euer Joda!
Durch Snowden-Artikel stöbernd, in denen man sich über Meinungsfreiheit erhitzt, suche ich verzweifelt nach einem Fetzen Information zu den Protesten in Brasilien, von denen ja so viel hier in Argentinien berichtet wird. Ich suche, tagelang, vergeblich. Das muss daran liegen, dass in dem Land, das fast so groß wie ganz Europa ist, es keinerlei Probleme gibt. Und Blatter beruhigt uns ja auch: „Bra­si­lien ist vorbereitet.“ Und das ist auch wahr. Vom Flughafen übers Hotel bis zum neulich privatisiertem Stadion Maracanã ist und wird alles bestens vorbereitet. Auf einem asphaltierten Teppich rollt jeder Tourist königlich in die legendäre Kulisse. Dass das nicht royale „Fußvolk“ den einstigen Treffpunkt aller sozialen Schichten jetzt nicht mehr erschwingen kann, bleibt links liegen. Dass beim Upgrade zum Konsumparadies eine Favela, eine öffentliche Schule, weitere Sportstätten und das denkmalgeschützte Gebäude des Indígena-Museums weichen müssen, ist nur all zu beschreibend für die aktuelle Politik Brasiliens.

Im argentinischen Fernsehen heißt es, die Proteste richteten sich gegen stark steigende Reisekosten. Doch das war allein der Tropfen, der alles zum überlaufen brachte. Jahrelang hatte sich Wut angestaut, über die für den unbeschreiblichen Wachstum Brasiliens zurückgelassenen menschlichen Werte. Vor allem die Bereiche Bildung und Gesundheit sind den ungeheuren Investitionen für die Austragung der Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele zum Opfer gefallen.

Nach tagelangen Protesten von mehreren Millionen gab Brasiliens Präsidentin sich schließlich zu Kollaboration bereit. Rousseff, die früher selbst bewaffnet für die Freiheit eingetreten ist, sagte in einer Fernsehansprache ans ganze Land: „Die Stimme der Straße muss gehört und respektiert werden und kann nicht verwechselt werden mit dem Krach und der Grausamkeit einiger Rabauken.“ Doch dazu muss man die Ohren aufmachen. Deshalb veröffentliche ich diesen Artikel, obwohl das Thema sich schon etwas beruhigt hat.

Der berühmte Titel des Buches von Stéphane Hessel ist „Empört euch!“. Dazu möchte ich euch nicht auffordern. Informiert euch lieber. Die Empörung kommt dann ganz von alleine.
Quellen:

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spiegel