Nachverarbeitung des Bonner Attentats

Hallo Leute!

Tut mir leid, dass es gestern keinen Artikel gab. Das lag jedoch an fehlendem Internet.

Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen. Ob ich diesen oder jenen Schreibstil mal mehr benutzen soll.
Viel Spaß!
Euer Joda!

Ohne Vorwarnung schaltet sich mein MP3-Player aus. Leicht genervt pflücke ich mir die Köpfhörer aus den Ohren und verstaue sie in meiner Hosentasche. Stöhn. Jetzt muss ich mich mit meiner Umwelt befassen. Am Freitag Abend schleift die U-bahn mehr als, dass sie gleitet, wie wir alle von einer Woche mit 5 Montagen erschöpft, grade unter dem Ernst-Reuter-Platz hinweg. Das heißt: mir bleiben noch circa 20 Minuten Fahrtweg. Schick. Leer ist das Abteil. Ein paar Sitze weiter versucht offenbar ein 13-Jähriger mit seinem toxischen Bubble-Tea das Kreischen der Wagenräder zu imitieren. Mein Blick schleift weiter, hoch an die Decke. Als Kind des 21. Jahrhunderts bin ich, sind wir alle, an die ständige digitale Ausleuchte gewöhnt, vielleicht abgestumpft. Wir machen Hausaufgaben via Livestream zusammen und  twittern unsere Träume. Ich bin immer davon ausgegangen, dass jede meiner Bahnfahrten für immer in den Archiven festgehalten werden würde.

Ob davon auch der Attentäter des Bonner Bahnhofes ausging und sich nicht darum scherte oder er wusste, dass die Kameras nicht aufzeichneten, werden wir wohl nicht erfahren. Jedenfalls ist so die Suche erheblich erschwert worden, wenn nicht sogar aussichtslos. Vielleicht aus wirklicher Überzeugung, vielleicht aus Reaktionismus, fordern viele jetzt die Überwachung zu verschärfen.

Wegen der schon vorhandenen Kameras argumentieren Befürworter, dass ein Aufzeichnen keine großen Veränderungen und keinen großen Aufwand bringen würde. Unter anderem sprach sich der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich für eine Ausweitung der Aufzeichnung an öffentlichen Plätzen aus.

Die Fraktionschefin der Grünen Künast lehnte dagegen eine Lockerung der Regeln für die Überwachung ab, da schon jetzt an ausgewählten Plätzen Aufnahme und Aufzeichnung gestattet seien.

Letztendlich läuft diese ganze Sicherheit-oder-Freiheits-Debatte ja immer darauf hinaus, ob die Belästigung des Einzelnen von der gewonnen Sicherheit für die Gruppe ausgeglichen wird. Die Belästigung für mich persönlich besteht, dank täglicher Impfdosis Facebook, für mich nicht. Ich sehe in der Überwachung meiner selbst kein Problem, doch sehe wieso man dagegen seien könnte. Es gibt immer diejenigen, denen die Überwachung unheimlich ist. Die Überwachung lässt viele unnatürlich wirken und hat in England nach den Bus-Anschlägen zu einem Abnehmen der Zivilcourage beigetragen. Und dann bleibt noch der Punkt, dass das Aufnehmen keineswegs zur Verhinderung der Taten beiträgt. Auch der allsehende Big-Brother kann nur im Nachhinein handeln. Vielleicht braucht es mehr Einsatzkräfte, die auf das Gesehene reagieren. Vielleicht lässt die scheinbar allgegenwärtige Gewalt mich auch nur ein Mal sprachlos.
Quellen:

verlinkt
taz

tagesschau

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