Über Argentinien, Weihnachten und Rituale

Hallo Leute!

Es ist Weihnachten und hier ist es so heiß, dass ich stark überlegen werde, ob ich eine Weihnachtsmütze trage.
Ich würde mich sehr über eure Meinung dazu freuen.
Ich hoffe ihr habt das Ende der Welt alle gut überstanden!

Euer Joda!

Wir haben einen neuen Hund. Sehr süß und sehr anhänglich. So anhänglich, dass er bis um 4 Uhr morgens nicht von mir ablassen wollte. Dem entsprechend unter Schlafmangel schlurf ich in die Schule. Mit nur halb geöffneten Augen werf ich meinen Rucksack auf meinen Tisch und begrüße routinemäßig meine Freunde mit einem Kuss auf die Wange. Vielleicht liegt es an mir, doch fühlt sich für mich so an, als ob die generelle Freude über das Wiedersehen ein wenig durch Müdigkeit gedämpft ist. Die Klingel läutet. Ameisengleich fließen die Schüler in den Korridor und gliedern sich in die ewig gleiche Ordnung. Quietschend schaltet sich ein Mikro ein. Wie jeden Morgen wird ein Mitglied des Kollegiums eine moralisch wertvolle Rede halten. Um 7:45. Was für ne Scheiß-Idee. „Zu erhalten ist die Moral von vor 100 Jahren, die Kirche ist alternativlos…“ Vom Schlafmangel gereizt, verweigere ich meine Aufmerksamkeit. „Tak, tak,  taktaktak“ klicken Fingernägel auf den blau-weiß gefließten Wänden, Füße scharren und ich höre leises Geflüster. Ich schein nicht der einzige zu sein, dem grad nicht nach zuhören ist.

Dabei hätten einige, besonders die, die grad nicht zuhören, es verdient, mal richtig die Ohren gewaschen zu bekommen. So wie einige sich Samstags aufführen, dass viele schon mit 15 schwanger sind, dass sie die Schule nicht ernst nehmen und so weiter. Doch wenn das Ohrenwaschen zum täglichen Bad wird, ist es halt nicht mehr so eindrucksvoll. Und schon klingelt es… Ab in den Klassenraum. 40 Minuten Spanischunterricht machen uns klar, dass das weder für Argentinier noch für Ausländer leicht ist. Pause. Und jetzt? fragt mich der Blick meines Sitznachbars. „Gehen wir zum Kiosk.“ Konsum aus Langeweile ist glaube ich einer der größten Antriebe unserer Wirtschaft. Ab durch den Gang voller Leute: „Jona!!!“ und „Aleman puto!“ halt es durch die Gänge.“Hallo! Alles klar?“ „Ja, alles super! Bei dir?“ Antworte ich im Vorbeigehen, darüberhinwegsehend, dass ich keine Ahnung hab, wer mich das gefragt hat. Ich glaub keiner von uns hat wirklich Hunger, trotzdem kaufen wir eine Tüte Brötchen und Saft. Essen kann so eine schöne Sache sein, besonders hier in Argentinien, wo das Asado jeden Sonntag fast jede Familie im Land für einige Stunden vereint. Für einen Nachmittag wird der Tisch der Hausaufgaben und Verkaufsabrechnungen zu einer Bühne der argentinischen Kochkunst umgewandelt. Gemeinsam genießen wir den räuchrigen Geschmack des Todes (ich glaub das mit dem Karnivor sein, wird nichts), essen Eis und legen bei einem höchst unprofessionelen Rugbyspiel die Fesseln der Gesellschaft ab. Alles das kann Essen sein, allerdings auch Wurfgeschoss, wie mir ein Klassenkamerat schmerzvoll demonstriert. Das Essen, das Necken, der Mate sind kultuerelle Bestandteile, wie sie jedes Land hat. Als Ausländer wirst du dir derer natürlich besonders bewusst. 13000 Kilometer von meiner Heimatstadt fielen mir bei meiner Ankunft viele kulturelle Unterschiede auf. Ganz konkret wurde mir erstmal bewusst, dass es viele Feiertage in Argentinien gibt; hatte doch meine erste Schulwoche nur 2 Arbeitstage. Der argentinische Staat gibt seinen Arbeitern und Schülern zu vielen Anlässen frei, um sich zurück zu ziehen und über den jeweiligen Anlass nachzudenken. Ein schönes Ritual eigentlich, gibt es doch viele Sachen, über die man ohne einen Anlass nicht nach denk würde, die es aber sicherlich verdient haben. Wie oft hab ich euch schonmal überlegt, was für eine ungeheuerliche Arbeit ein Lehrer eigentlich hat, was für eine Geduld er braucht, um den (in Argentinien besonders) frechen Schülern etwas beizubringen, was sie eigentlich gar nicht wissen wollen. Eine schöne Geste ist das, einige Minuten inne zu halten und über die Leistungen nach zu denken. Wie oft habt ihr schon mal einfach so auf Essen verzichtet, um das Leiden der Armen nach zu empfinden. Doch verhallt mit jedem Ausführen des Rituals der Paukenschlag der ursprünglichen Motivation ein wenig mehr. Nicht selten frage ich: „Wieso genau haben wir den morgen keine Schule?“ Und damit ein kleines Rätselraten auslöse, dass meist zu allgemeinem Lachen und der Erkenntnis führt, dass sich alle allein über einen Tag ohne Arbeit freuen. Hier ist der eigentliche Wert des Tages schon komplett verhallt. Doch ist das nicht nur bei den argentinischen Festtagen so. Nehmen wir zum Beispiel den Valentinstag: Romantisch an jedem anderen Tag, verkommt ein Bekenntnis der Liebe für 24 Stunden zu Notwendigkeit und verliert damit komplett seinen Wert. Wie Ze Frank beschreibt es mit einer „Infaltion auf die Währung Romantik“. Genauso mit Weihnachten. Ist ein Geschenk normalerweise eine wundervolle Art durch das Betonen der Gemeinsamkeiten die Freundschaftsbände zu stärken, wird es doch alljährlich zu einer gesellschaftlich notwendigen Konsumschlacht.

Und jetzt? Wird damit jedes Ritual bedeutungslos? Sollen wir im Alltag vertiefen, bis eine spontane Inspiration uns zur Wertschätzung bringt? Ich glaube nicht. Mag vielleicht der Muttertag für einige nur Stress und hohle Geschenke bedeuten, wird er für viele die Erkenntnis über die Schönheit der unbedingten Liebe der Eltern bringen. Wenn der Funken dieses Tages auch nur einen Geist erhellt, hat sich das meiner Meinung auch schon gelohnt. Ich muss jetzt geschluss machen. Der Hund bellt schon wieder.

Mit Hilfe von Maquiela Riquelme.

Nachverarbeitung des Bonner Attentats

Hallo Leute!

Tut mir leid, dass es gestern keinen Artikel gab. Das lag jedoch an fehlendem Internet.

Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen. Ob ich diesen oder jenen Schreibstil mal mehr benutzen soll.
Viel Spaß!
Euer Joda!

Ohne Vorwarnung schaltet sich mein MP3-Player aus. Leicht genervt pflücke ich mir die Köpfhörer aus den Ohren und verstaue sie in meiner Hosentasche. Stöhn. Jetzt muss ich mich mit meiner Umwelt befassen. Am Freitag Abend schleift die U-bahn mehr als, dass sie gleitet, wie wir alle von einer Woche mit 5 Montagen erschöpft, grade unter dem Ernst-Reuter-Platz hinweg. Das heißt: mir bleiben noch circa 20 Minuten Fahrtweg. Schick. Leer ist das Abteil. Ein paar Sitze weiter versucht offenbar ein 13-Jähriger mit seinem toxischen Bubble-Tea das Kreischen der Wagenräder zu imitieren. Mein Blick schleift weiter, hoch an die Decke. Als Kind des 21. Jahrhunderts bin ich, sind wir alle, an die ständige digitale Ausleuchte gewöhnt, vielleicht abgestumpft. Wir machen Hausaufgaben via Livestream zusammen und  twittern unsere Träume. Ich bin immer davon ausgegangen, dass jede meiner Bahnfahrten für immer in den Archiven festgehalten werden würde.

Ob davon auch der Attentäter des Bonner Bahnhofes ausging und sich nicht darum scherte oder er wusste, dass die Kameras nicht aufzeichneten, werden wir wohl nicht erfahren. Jedenfalls ist so die Suche erheblich erschwert worden, wenn nicht sogar aussichtslos. Vielleicht aus wirklicher Überzeugung, vielleicht aus Reaktionismus, fordern viele jetzt die Überwachung zu verschärfen.

Wegen der schon vorhandenen Kameras argumentieren Befürworter, dass ein Aufzeichnen keine großen Veränderungen und keinen großen Aufwand bringen würde. Unter anderem sprach sich der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich für eine Ausweitung der Aufzeichnung an öffentlichen Plätzen aus.

Die Fraktionschefin der Grünen Künast lehnte dagegen eine Lockerung der Regeln für die Überwachung ab, da schon jetzt an ausgewählten Plätzen Aufnahme und Aufzeichnung gestattet seien.

Letztendlich läuft diese ganze Sicherheit-oder-Freiheits-Debatte ja immer darauf hinaus, ob die Belästigung des Einzelnen von der gewonnen Sicherheit für die Gruppe ausgeglichen wird. Die Belästigung für mich persönlich besteht, dank täglicher Impfdosis Facebook, für mich nicht. Ich sehe in der Überwachung meiner selbst kein Problem, doch sehe wieso man dagegen seien könnte. Es gibt immer diejenigen, denen die Überwachung unheimlich ist. Die Überwachung lässt viele unnatürlich wirken und hat in England nach den Bus-Anschlägen zu einem Abnehmen der Zivilcourage beigetragen. Und dann bleibt noch der Punkt, dass das Aufnehmen keineswegs zur Verhinderung der Taten beiträgt. Auch der allsehende Big-Brother kann nur im Nachhinein handeln. Vielleicht braucht es mehr Einsatzkräfte, die auf das Gesehene reagieren. Vielleicht lässt die scheinbar allgegenwärtige Gewalt mich auch nur ein Mal sprachlos.
Quellen:

verlinkt
taz

tagesschau

EU nobelpreiswürdig?

Hallo Leute!

Ich suche mir grade Quellen für einen Bericht über Argentiniens Politik und Geschichte. Ist leider nicht ganz so einfach. Falls ihr zufällig auf etwas stoßt, würde es mich freuen.
Ich hoffe der Artikel gefällt euch.

Euer Joda!

Schon als Barack Obama zum Beginn seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis bekommen hat, gab es viel Stirnrunzeln. Noch habe er ja gar nicht getan, beschwerten sich Skeptiker. Die Verleihung des Preises jetzt an die europäische Union hat es sogar zum Streit der Woche bei der taz geschafft. Hefftig war die Kritik. Blogger zerreißen sich die Mäuler und bezeichnen die Vergabe  von einer „Fehlentscheidung“ bis „lächerlich„. Sogar Václav Klaus, der Staatspräsident Tschechiens, nannte die Vergabe einen „Scherz“.

Dabei war die Idee hinter der Vergabe eigentlich eine schöne. Wie Christoph Prössl von der tagesschau bemerkt, ist das ganze ein wenig mit Abstand zu sehen. Mit Abstand von der noch immer ausschöpferischen Außenpolitik Europas, mit Abstand von seinen fast täglich im Mittelmeer Opfer, mit Abstand vom Euro der zwei Geschwindigkeiten und den aus ihm hervorgehenden Massenproteste.

Aber um mal ehrlich zu sein: Der EU ist schon einiges zu Verdanken.  Durch dieses Friedensprojekt wurden viele Wunden des Krieges geheilt und die Länder mit einander Verbunden. Eine Verbundenheit, die die Geschichten von Genoziden und Weltkriegen in Geschichten der Großeltern verbannt. Eine Verbundenheit, die jetzt zwar alle an den Rand des Abgrunds zieht, doch auch alle gemeinsam vor ihm retten kann. Und ich glaube genau dazu war der Preis gedacht. Genau wie bei der Vergabe an Obama, war er nicht nur als Lob für Vergangenes, sondern auch als Ansporn für Anstehendes gedacht.

Und von dem gibt es ja nicht zu wenig. Genug mit alles von weitem betrachten! An die Arbeit!

Quellen:

verlinkt

aljazeera.com

Klimawandel „is a lie“

Hallo Leute!
Der Artikel heute ist mehr als ein Dosenartikel. Er ist eine super exklusive Vorschau in die nächste OHnE des Heinz-Berggruengymnasiums aus Berlin!!! Das heißt eigentlich nur, dass er bald auch in der Schülerzeitung meiner Schule in Deutschland erscheinen wird.

Ich hoffe er gefällt euch!
Euer Joda!

Chemiestunde. Apfelwein war die Idee. Für 3 Monate sollten wir den Hefenpilzen bei ihrem ignorazbedingem Untergang zusehen. Unbesonnenes verschlingen sie Fruchtzucker und verwandeln ihn zu CO2 und Alkohol, womit sie, Generation für Generation, ihren einzigen Lebensraum ein Stückchen mehr unbewohnbar machen. Da klingelt doch irgendwas…

Mathestunde. Mit meinem Lieblingslehrer. Grade schleudert der Vulkan Eyjafjallajökull von Medien ausgeleuchtet Millionen von Kubiklitern Asche in die Luft des Atlantik und legt jegliche Flugverbindungen zwischen den Amerikanischen Staaten und Europa lahm. Das inspiriert meinen Bruder im Geiste mal die Mathematik Mathematik sein zu lassen und uns zu erläutern, dass überhaupt der Einfluss des Menschen im Klimawandel eine Lüge sein und die Behauptung der Grünen, das Gegenteil sei der Fall, sei mit der Volksverhetzung der Nazis zu vergleichen. Dass ich wegen Wiederrede den Rest der Stunde auf dem Gang verbringen durfte, ließ dann aber die Grünen nicht mehr so ganz diktatorisch wirken.

Die unterbrochene Diskussion möchte ich dann einfach mal hier offen weiterführen. Dass ein Klimawandel stattfindet sich mittlerweise kaum noch bestreiten. Spätestens seit 1999 sehen die meinsten Wissenschaftler mit der Arbeit der Klimatologen  Michael E. Mann, Raymond S. Bradley und Malcolm K. Hughes ein Erwärmen des Planetens für erwiesen. Die Messwerte ergaben ein Diagramm, dass wie ein Hockeyschläger nach erst sanft nach unten geht und dann rapide ansteigt. Diese und auch andere wissenschaftliche Arbeiten verzeichnen eine Erhöhung der Temperaturen zum Anfang des 20. Jahrhunderts. und damit ca. 150 Jahre nach dem Beginn der industriellen Revolution. Mein geliebter Lehrer erläuterte der Klasse, jedoch dass die Ansteigenden Temperaturen gar keine Auswirkung der menschlichen Bewirtschaftung der Erde sei, sondern die Erde sich ewig her auf einem sinuskurvenartigem Auf- und Abstieg befunden habe.

Ich will mich gar nicht aus dieses Niveau herab geben und so tun als ob ich die Zahlen einzuordnen könnte, die doch noch nicht einmal die Wissenschaft selbst eindeutig zu bestimmen weiß. Meiner Meinung nach sollten wir diese Streitigkeiten hinter uns lassen und uns bewusst werden, dass wenn wir nicht jetzt fundamental etwas ändern, wir, die Menschen, die „Krone der Schöpfung“, den gleichen Untergang erleiden werden wie die ja so dämlichen Hefepilze. Und das wär ja mal ein ziemlich lappiger Weltuntergang!

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Sachstandsbericht_des_IPCC