Selbstlosigkeit- Ein Essay

Hallo Leute!

Ihr lest grade meinen Artikel aus Argentinien.
Ich hoffe ihr habt Spass dabei.
Ich freue mich wie immer ueber Kommentare.
EuerJoda!

Das durch die Fenster der U-bahn dringende „Dadumm-Dadumm“ der Gleise vermischt sich mit dem „OH-She´s a jolly good fellow“-Gesinge einer Junggesellinnen-Abschiedsfeier zu einem Geräuschpegel, der das Gitarrengeplänkel aus meinen In-Ear-Kopfhörern übertönt. Der Zug kommt quietschend zum Stehen. Einige steigen aus. Einige steigen ein. Eine, ihrem Stock und Sonnenbrille nach zu urteilen, blinde Frau fragt mich höflich:

„Entschuldigen sie! Ich konnte die Ansage nicht verstehen. Welche Station ist das hier.“

„Bismarkstraße.“ antworte ich, als sich auch schon mit dem unnötig nervigen „Daaa Diii Daaa“ die Türen schließen.

„Mist! Das war meine Station. Könnten sie mich zum Zug in die andere Richtung bringen?“

„Klar.“ Wir steigen also bei der nächsten Station aus und ich geleite sie durch die versiffte Unterführung, während wir über Gott, ihre Familie und die Welt reden.

Wir verabschiedeten uns, ich stieg wieder in die U-bahn und war den Rest des Tages nur noch schwebend unterwegs.

Wieso ich mich so gut gefühlt habe, weiß ich nicht. War es meine Erziehung, etwas tiefenpsychologisches?

Viele, denen ich dies erzählt habe, meinten, dass meine Handlung selbstlos gewesen sein, doch das war sie nicht. In der Sekunde, in der die Dame mich um Hilfe bat, wog mein Gehirn den Aufwand gegen die erwartete Belohnung ab. Ich handelte also, um mir selbst ein gutes Gefühl zu verschaffen, mir selbst zu nutzen. Das ist nicht selbstlos.

Fast jede Entscheidung werden wir, auf kurz oder lang, zu unserem eigenen Vorteil treffen. Wir helfen Freunden, damit sie uns helfen. Wir spenden Geld, um unser Gewissen zu beruhigen. Wir besuchen unsere Oma, um extra Taschengeld zu bekommen. Manche suchen materiellen-, andere emotionalen Gewinn. Dies ist völlig natürlich und wir sollten uns dafür nicht hassen, sondern es als Fakt akzeptieren.

Wir können nicht davon ausgehen, dass der emotionale Gewinn für alle der selbe ist, dass das Gewissen aller gleich stark ist. Wir können zur Zeit unsere positiven Emotionen nur beschreiben. Das Beschreiben greift jedoch lediglich auf bereits empfundene Emotionen zurück. Solang wir also die genauen Empfindungen des Gehirns nicht aufnehmen und wiedergeben können, ist es uns nicht möglich zu sagen, ob unsere Empfindungen gleich sind. Davon ausgehend sollten wir also Leute wie Herrn Ackermann nicht verurteilen. Wir wissen nicht, ob er unter den selben Bedingungen entscheidet, wie andere.

Wir wissen jedoch, dass es immer weiter Leute geben wird, die Entscheidungen zu ihrem eigenen Vorteil treffen werden, da wir alle dies tun. Eine Diktatur in der den Menschen die Selbstsucht ausgeprügelt wird, ist nämlich keine Alternative. Die Selbstsucht ist vielmehr ein Fakt, auf den sich die Gesellschaft einstellen muss. Konkret sehe ich hier den Staat in der Verpflichtung, Entscheidsmöglichkeiten,( wie Spekulation auf Lebensmittel, die Todesstrafe, usw.) die das Leben anderer beschränken, beeinträchtigen oder gar beenden, zu minimieren.

Denn die Gier, die  unter anderem die Occupy-Bewegung anprangert, wird immer in den Menschen sein. Sie einzuschrenken, wenn nicht so gar ins positive zu lenken, sollte die Aufgabe des Staates sein. Marx beklagte, dass der wissenschaftliche  Fortschritt, allein im Sinne der Bourgoise geschehe. Dies ergibt sich mir logisch daraus, dass der Einsatz fuer das Wohl der Reichen im Kapitalismus den hoechesten Gewinn bringen. Diese Gier koennte der Staat nutzen, um allen zu helfen.

Doch auch die Bürger selbst, können die Gier der Unternehmen lenken. Wenn wir unser Konsumverhalten umstellen, neue Märkte schaffen, wird sich die Wirtschaft aus purem Eigennutz umstellen. Wir können der Massentierhaltung ein Ende setzen, wenn wir aufhören Fleisch in so ungeheuren Mengen zu verzehren. Wir können biologische und recyclebare Produkte genauso erschwinglich machen, wie „normale.“  Wir könnten und wir sollten, um uns ein positives Gefühl zu geben und die Zukunft unserer Kinder positiv zu gestalten.

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„Free Pussy Riot“

Vor der Wiederwahl Putins führten Nadeschda Tolokonnikowa (22), Jekaterina Samuzewitsch (30) und Maria Aljochina (24)  ein  „Punkgebet“ in der „wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche“ auf. Dies löste eine Welle von Protesten aus. Von allen beteiligten. Mitglieder der kirchlichen Gemeinde hatten für eine scharfe Strafe demonstriert, doch in den europäischen Medien wurden sie von denen übertönt, die eine Freilassung der „Pussy Riots“ fordern. Denn diese Seite wurde international und von Prominenten unterstützt. Unter der den Protestanten befanden sich unter anderem der ehemalige Weltmeister Garri Kasparow und „Oppositionsführer“ Sergej Udalzow. Sie wurden beide zusammen mit etwa 100 anderen von beiden Seiten festgenommen. Gegen Kasparow soll nun ein Verfahren eingeleitet werden., da er einen Polizisten gebissen haben soll. Der Kreml-Kritiker bestritt die Vorwürfe und verurteilte seine Haftbedingungen. Ihm drohen als Höchststrafe 5 Jahre Haft.

Unterdessen sucht der russische Staat nach den 10-20 anderen vermutlichen Mitgliedern. Denn durch die Verurteilung wurde die Gruppe keineswegs eingeschränkt. Er hat eher die 3 Frauen zu Märtyrern erhoben, die die neuesten Protestwellen jetzt mit bunten Skimasken kleiden. Durch die Verurteilung hat Putin „Pussy Riot“ zu weltweiter Berühmheit verholfen, er hat das „das Feuer der Revolution“, wie es Mitglieder der Gruppe in dem neu veröffentlichten Song formulieren.

Und auch die inhaftierten Mitglieder geben nicht auf. Sie lehnten das Gnadengesuch ab, das das russische Recht vorsieht. . „Mit dieser Gnade sollen sie zum Teufel fahren“ ließ der Anwalt der Frauen verkünden. Stattdessen wollen sie gegen das Urteil Berufung einlegen. Nach der Meinung von „Experten“ könnte dies durchaus die Strafe vermindern.

Dies könnte Putin benutzen, um das ganze als autoritären, cholerischen Ausrutscher abzuhaken. Kai Ehlers zieht Parallelen zwischen dem Deutschland der 60/70er Jahre und dem heutigen Russland. In beiden Fällen versuchen sich junge Kräfte gegen eine verkrustete Gesellschaft aufzulehnen. Doch Putin muss die Fehler des alten Deutschlands nicht wiederholen. Eine RAF Russlands kann sich keiner wünschen. Putin hat jetzt die Möglichkeit den neuen Trieben nachzugeben oder wie der Asphalt durch seine Macht zu brechen.
Ich glaube wir alle hoffen, dass er das Richtige tut.

Dieser Artikel wurde mit der Hilfe von Dario Uribe-Pugner geschrieben.

Quellen:

Verlinkt

taz

Tagesschau

Mursi entlässt Militärchef

Nach dem Sturz Mubaraks verpflichtete sich das Militär dazu, die Sicherheit in Ägypten aufrecht zu erhalten. Als Oberster Rat der Streitkräfte hatte damit Mohammed Hussein Tantawi, zusammen mit dem Verfassunggericht, beinahe uneingeschränkte Macht über sein Land. „Mubaraks Pudel“ war für mehr als 20 Jahre der Verteidigungsminister Ägyptens.

Doch am Sonntag wurde er vom neugewählten Präsidenten Mohammed Mursi abgesetzt.  Auch der Generalstabschef Sami Annan, „die Nummer zwei des Militärrats„, musste sein Amt räumen. Zudem die vom Militärrat veranlassten Verfassungszusätze revidierte Mursi. Nun wird der Militärrat vom neu eingesetzten Generaloberst Abdelfatah Chalil el-Sissi geleitet. Er ist, wie Mursi früher, ein Anhänger der Muslimbruderschaft.

So hat sich Mursi einerseits Kontrolle über den Rat verschafft, andererseits hat er diesen, durch das Aufheben der Verfassungszusätze, entmachtet. Eine gewaltige Provokation. Ob der Militärrat dies hinnehmen wird bleibt abzuwarten.

Eine andere Frage ist, ob diese Ermächtigung des Präsidenten überhaupt positiv zu sehen ist. Ich bin aus persönlichen Überzeugungen und Beispielen der Geschichte gegen eine Machtverteilung hin zu einzelnen Personen. Doch ist dies hier die bessere Alternative. Denn Mursi ist ein Repräsentant des Volkes, der Militärrat geht dagegen nicht aus demokratischen Strukturen hervor. Daher hat Mursi das Recht und die Pflicht Ägypten zu einem demokratischen Staat zu formen. Die Relikte der diktatorischen Vergangenheit sollten darauf keinen Einfluss haben. Auch wenn dieser vielen nicht gefällt, sollte der Präsident den Willen seines Volkes umsetzen.

Doch ob der Militärrat dies geschehen lassen wird, bleibt abzuwarten.

Quellen:

al jazeera

tagesschau.de

journal21

Die Schlacht um Aleppo

Die Bilder aus Aleppo scheinen wie von einem Künstler inszeniert. In großen Teilen der Stadt gibt es immer wieder Kämpfe zwischen den Anhängern Präsident Bashaar al Assads und den Mitgliedern der Freien Syrischen Armee (FSA), es gibt immer wieder aufsteigende Rauchwolken und immer neue Zerstörung. Auf dem Bild ist nur noch das skeletterne Gerüst eines offensichtlich ehemals großen Gebäudes zu sehen. Eine Mauer im Vordergrund ist allein mit systemkritischen Parolen versehen.

Durch dieses Bild lässt sich die Generelle Lage in Allepo zusammenfassen. Die Stadt, die beide Seiten als Entscheidend für das Schicksal Syriens bezeichnen, ist nämlich im Gegensatz zu dem libyschen Bengasi nie eine Stadt der großen systemkritischen Demonstrationen. Ganz im Gegenteil. Diese fingen erst spät im Verlauf der Revolution statt und waren verhältnismäßig klein. Die Stadt wurde aus einem anderen Grund zum Gastgeber dieses grässlichen Wettkampfes erkoren. Sie hat wichtige strategische Vorteile. Aleppo ist Syriens größte Stadt und ist so gelegen, dass mit seiner Eroberung mehr oder weniger der komplette Norden des Landes in die Hände der Rebellen fallen würde. Sie hätten die türkische Grenze im Rücken und dadurch für Waffen- und Munitionsnachschub gesorgt. Zudem ist Aleppo Syriens Zentrum des Handels und Heimat vieler Textil- und Lebensmittelfabriken. Somit haben die Rebellen ihre Klinge an der wirtschaftlichen Aorta des Regimes.

Und auch die politische Hauptstadt hat Assad nicht unter Kontrolle. Zwar sind die kurzweilig entrissenen Bezirke vom Regime wieder zurückerobert, das heißt jedoch keines Falls, dass die Rebellen verschwunden sind. Sie haben lediglich ihre Taktik geändert. Da sie bemerkten, dass sie im frontalen Kampf den Streitkräften des Regimes überlegen sind, änderten sie ihre Vorgehensweise. Nun versuchen sie die Situation durch guerillaartige Hit-and-Run-Angriffe unter Spannung zu halten.

So zündeten sie eine Bombe im Gebäude des staatlichen Fehrsehens Syriens, obwohl dies in dem meist geschützen Bereich von Damaskus liegt. Gleichzeitig schloss sich der Premierminister Riad Hidschab dem Aufstand an und setzte sich laut Al-Jazeera nach Jordanien ab. Vor erst 2 Monaten war er ins Amt berufen worden.

Da sowohl die Händler von Aleppo als offensichtlich auch die hochrangigen Politiker mit einem Sturz des Regimes rechnen, ist es Zeit, sich an der Sicherung der Zukunft Syriens zu beteiligen. Zuerst sollte dies, meiner Meinung nach, durch die Vorbereitung eines reibungslosen Ausstieg für Assad vorbereitet werden. Auch wenn es schmerzt einen Mann, der so viel Blut an seinen Händen kleben hat, laufen zu lassen, sollte der Schutz der Zivilbevölkerung immer noch oberste Priorität sein. Durch einen wochen- oder monatelangen Krieg wird, wie in der Metapher oben gezeigt, hauptsächlich das Volk leiden. Um Tote zu vermeiden muss Assad also so schnell wie möglich gehen und Europa sollte dabei eine große Rolle spielen. Denn es liegt nun unter anderem in unserer Verantwortun zu gewährleisten, dass Syrien danach nicht in ein tiefes politisches Chaos stürzt, in dem anstatt Rechststaatlichkeit, das Recht des Stärkeren gilt.

Dieser Artikel wurde mit der Hilfe von Dario Uribe- Pugner und Luise Sander verfasst.

Quellen:

al jazeera

berliner kurier