Auf dem Weg in ein neues Chile

Hallo Leute!

Ich war letztens in der HU bei der Diskussion, die ich unten erwähne. Ich wollte euch diesen Artikel sofort servieren, fand dann ACTA aber doch wichtiger.

Ich finde, dass Lateinamerika viel zu selten von den Medien und damit auch von den Bürgern besprochen wird.

Wenn ihr wollt, dass ich weiterhin über Themen in Südamerika schreibe, lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Euer Joda!

Auf dem Weg in ein neues Chile

Nach 30 Jahren wehren sich die Bürger gegen die Übermacht der Konzerne

Die Verfassung Chiles „wurde durch die damals (1980) herrschende Militärregierung erarbeitet und anschließend in einer Volksabstimmung, die unter großem Druck stattfand und nicht demokratischen Kriterien entsprach, mit 67 % angenommen.“ Diese Verfassung besteht, mit einigen Veränderungen, noch immer. So auch das neoliberale Wirtschaftsystem, das von den berühmten Chicago Boys eingeführt wurde und auch der Reichtum, der aus ihm hervorging. Der Gedanke war ein wirtschaftlicher Aufschwung durch freie Märkte, Privatisierung und Deregulierung. Mindestlohn und Gewerkschaften wurden abgeschafft und die Inflation gebändigt. Lange profitierte Chile von diesem Aufschwung, war als Jaguar von Südamerika bekannt. Doch nun offenbaren sich die gewaltigen Risse in dieser kurzsichtigen Politik.

Noch heute sind deutlich mehr als die Hälfte der Schulen und Universitäten in den Händen von Konzernen. Diese Macht nutzen sie aus um ihren Profit auf Kosten der Bevölkerung zu maximieren. Die Studiengebühren sind meist höher als an deutschen Universitäten. Familien müssen sich oft über Jahre verschulden, um einem Kind ein Studium zu ermöglichen. Viele können es sich überhaupt nicht leisten zu studieren und einen guten Job bekommen. So wird die Schere zwischen arm und reich immer größer. Viele Bürger Chiles sind damit nicht mehr einverstanden.

Schon seit 2005 gehen Studenten wegen zu hohen Studiengebühren auf die Straße. Der Höhepunkt der Demonstrationen war ein Generalstreik im Jahre 2011. Über eine Millionen Menschen (Chile hat 17 Millionen Einwohner) gingen auf die Straßen. Doch die Regierung sah den Streik als gescheitert an und es kam trotz mehrerer Versuche beider Seiten kam es zu keiner Einigung.

Nun wollen die Chilenen den Aufstand in die Welt hinaus zu tragen. Einerseits um Unterstützung für ihren Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung des Volkes andererseits um Vorbilder zu finden, wenn der Kampf gewonnen ist.

Unser Bildungssystem ist eines dieser Vorbilder. Um es als mögliche Alternative zum chilenischen zu überprüfen, waren Karol Cariola, die Generalsekretärin Kommunistischen Jugend von Chile, Jorge Murúa, Mitglied der Leitung der Metallarbeitergewerkschaft und die von den Medien gefeierte Camila Vallejo in Deutschland. Vallejo wird zum Gesicht der Bewegung gemacht. Verständlich. Sie war die Sprecherin des Verbands der Universitäten Confech, ist hübsch und intelligent. Die taz feiert sie als „Die Eine aus einer Million“. Immer wieder setzte sich gegen gehässige Reporter und Politiker durch. Denn die Kommunistin polarisiert. Für viele steht sie für die Hoffnung auf Chancengleichheit und eine gerechte Verteilung des Reichtums, die Gefährdung des Errungenen für andere.

Sie wehrt sich jedoch gegen die Personifizierung: „Anführer sind notwendig, um die Ideen einer Bewegung zu übermitteln. Aber die starke Personifizierung ist funktional für die Rechte. Es wird so viel leichter, Informationen zu manipulieren.“

Denn so können persönliche Entscheidungen und Makel von der Führung auf die gesamte Bewegung übertragen werden und liefern also Angriffsfläche für Propaganda. Deshalb entschied sie sich als eine von dreien nach Deutschland zu reisen, zu diskutieren und Interviews zu geben.

Am 9. Februar diskutierten die Obengenannten zusammen mit Paula Rauch, Bundesgeschäftsführerin des Studierendenverbandes die Linke.sds und Andreas Keller, Vorstandsmitglied der Bildungsgewerkschaft GEW. Es war der Abschluss der mehrtägigen Reise der Chilenen.

Die Studenten aus Chile forderten eine freie Bildung und sind damit längst nicht mehr allein. Fast 80% der chilenischen Bevölkerung unterstützen die Proteste, bei denen es auch nicht nur noch um zu hohe Studiengebühren geht. Denn das Abtreten der Macht an private Unternehmen hat auch die Kosten in sämtlichen anderen Sektoren erhöht. Bei einem Einkommen von 15000$ und durchschnittlichen Ausgaben bleiben einem noch 0,20$ um Bildung und Krankenkassen zu bezahlen. Es wurde jahrelang immer wieder zu hunderttausenden demonstriert mit einem Höhepunkt im letzten Jahr. Sie haben damit gezeigt, wie stark sie sind. Sie haben gezeigt, dass das Volk hinter ihnen steht. Nun wollen sie das geschehene analysieren und „befindet sich in einem Prozess des Zurückhaltens“.

Sie suchen Wege die von vielen geforderte kostenlose Bildung zu ermöglichen und debattieren über eine Reformierung des Steuersystems.

Ein Freund von mir, mit dem ich bei der Diskussion war, meinte:

„Ich persönlich bin sehr gespannt, zu welchen Schlüssen sie bei diesem Prozess des Zurückhaltens und des Nachdenkens kommen und in welche Richtung sie die tausenden von chilenischen „Wutbürgern“ leiten werden.“

Sicher ist nämlich, dass es Veränderung geben wird.

Denn wie Camilia Vallejo sagte:

„Die Chilenen haben ihre Angst verloren. Sie glauben wieder an kollektive Handlungen. Das lässt sich nicht zurückdrehen“

Quellen:

verlinkt

newsempoerenvernetzenveraendern

womblog

ACTA und Saatgut

Hallo Leute!

Ich hab ja letzte Woche schon angekündigt, dass ich noch etwas über Saatgut schreibe und…

voilà!

ACTA umgibt ein großes Mysterium. Kaum jemand kennt den genauen Wortlaut von ACTA. „Irgendwie schlecht und irgendwas mit Internet“, ist das, was ich in meinem Bekanntenkreis höre. Doch Fakt ist, dass ACTA weit über die Grenzen des Internets hinausgeht. Auch die Regelungen für Patente auf Medikamente und Gene von Pflanzen und Tieren soll verschärft werden.

Das Patent bezieht sich so genannte „Hybride“, auch als Bastarde bekannt. Es handelt sich dabei um Pflanzen, die sich, ähnlich wie Maultiere, nicht fortpflanzen können.

Diese Eigenschaft nutzen Konzerne wie Monsanto, der für die Produktion des „Pestizids“ „Agent orange„, das zweihunderttausend amerikanische Soldaten und hunderttausende Zivilisten langzeitlicht geschädigt hat.

So kann Monsanto Saatgut Jahr für Jahr neu zu verkaufen, weil es wegen des Patents den Farmern untersagt ist, selbst neue Keime zu züchten. Dazu müssen die Bauern die entsprechenden Pestizide, Dünger, Erntemaschinen etc. kaufen. Die Bauern geben der Lebensmittelindustrie sehr viel Macht.

Es sollen auch rezessive, unausgebildete Gene rechtlich geschützt werden. So wären ganze Arten, die über jahrtausende durch die natürliche Selektion entstanden sind, als „Erfindung“ in der Hand von Konzernen.

Noch ist das Patentieren von Saatgut nur eine „Tendenz„, aber mit ACTA hätten große Konzerne die Macht, dies zur Norm zu machen. Bauern und damit auch unser tägliches Essen, wäre damit in ihren Händen.

Das ist aus meiner Sicht ein weiterer Grund, neben dem Ende von Youtube, Twitters und des Teilens, den Aufrufen zu folgen und an der 2. Demo gegen ACTA teil zu nehmen.

Quellen:

verlinkt

commonsblog.wordpress.com

ACTA ad acta

Hallo Leute!

Es tut mir Leid, dass ich letzte Woche nichts gepostet habe. Das war aber nicht meine Schuld. Ich war erst in den Ferien und hatte danach 5 Tage lang kein Internet. Ich bitte trotzdem um Entschuldigung.

Ich hoffe der Artikel heute gefällt euch.

Euer Joda!

Überall auf der Welt demonstrierten Leute dafür, dass ACTA ad acta gelegt wird. Bei -10 Grad C. wurde allein in Deutschland in 60 Städten demonstriert. Die Polizei sprach von 2.000 Demonstranten in Berlin (s.o.) und Köln. Viele Bekannte Youtuber, wie  RumbleBeast666 aka. Torsten und Tom, IBlali, Herr Tutorial und viele andere riefen dazu auf an Demonstrationen teilzunehmen und Petitionen zu unterschreiben. Denn durch ACTA sieht sich das Internet in seiner derzeitigen Form einer massiven Bedrohung ausgesetzt.

Wikipedia sagt: „Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement, kurz ACTA, ist ein geplantes multilaterales Handelsabkommen auf völkerrechtlicher Ebene. Die teilnehmenden Nationen bzw. Staatenbünde wollen mit ACTA internationale Standards im Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen etablieren.“ Das bezieht sich auf Markennahmen, aber auch auf Saatgut (was ich persönlich auch katastrophal finde, aber dazu später mehr) und Medikamente. Auch geistiges Eigentum soll geschützt werden. Konkret wird einem ACTA-Komitee die Macht gegeben, Geld- oder sogar Gefängnisstrafen zu verhängen und so das Internet zu zensieren. Dieses Komitee wird wahrscheinlich, wie bei dem französischen Vorbild HADOPI, aus Vertretern der Wirtschaft und (Lobby)Politikern bestehen. Doch laut Wikipedia „sollen (Strafgelder) demnach nicht an die Urheber wie Interpreten oder Songwriter, sondern pauschal an deren Vertreter und Vertreiber gehen.“ Hier kann man schon erahnen, dass es nicht wirklich darum geht, die Kreativen, die eigentlich Geschädigten zu schützen, sondern Anwälten mehr Geld zu verschaffen und einen alternativen Markt zu verschlagen. Denn Fakt ist, dass Seiten wie Twitter und Youtube kaum noch existieren könnten. Es wäre das Ende von „Let´s Play“ oder dem „Teilen“ auf Facebook.

Es wird oft gesagt, dass ACTA in „irgendeinem Hinterzimmer“ verfasst wurde. In diesem Dokument der Europäischen Kommission wird jedoch hervorgehoben, dass ACTA einzusehen ist. Das ist zwar wahr, doch war das nicht immer so. Von 2006 bis 2010 wurden die wesentlichen Punkte ACTAs entschieden und erst nach dem das Europäische Parlament(EP)einen Erschließungsantrag bewilligt hatte, wurde das EP über alle Phasen der Verhandlungen in Kenntnis gesetzt. Man kann also durchaus sagen, dass ACTA in einen „Hinterzimmer“ entworfen wurde (außer klingt das besser =P ).

Mittler Weile haben Kanada, Australien, Japan, Marokko, Neuseeland, Südkorea, Singapur, USA,  Österreich, Belgien, Bulgarien, die Tschechische Republik, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Portugal, Rumänien, Slowenien, Spanien, Schweden, das Vereinigte Königreich und viel Länder der EU ACTA unterzeichnet. Wegen massiver Proteste hat Polen noch nicht zugesagt. Auch Deutschland hat noch nicht unterzeichnet. Es gab jedoch noch „keine Entscheidung in der Sache“.

Ich persönlich finde es wichtig, gegen ACTA vorzugehen, allein um mir und den vielen Skeptikern zu beweisen, dass wir immer noch in einer Demokratie leben, in der das Volk regiert und nicht in einer Diktatur der Reichen.

Quellen und Inspiration:

Stern

fm4

Tagesschau.de

Tolles Interview

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